/ 20.06.2013
Ton Veerkamp
Der Gott der Liberalen. Eine Kritik des Liberalismus
Hamburg: Argument 2005; 309 S.; 14,90 €; ISBN 3-88619-470-1Der 1933 geborene Autor hat die Früchte seiner Tätigkeit am Zentrum für ausländische Studierende in Berlin-Charlottenburg zusammengetragen. Veerkamp rekonstruiert in groben Zügen den Wirtschaftsliberalismus und dessen markttheoretische Mythologie von Smith bis Schumpeter, wobei er immer wieder auf die realen historischen Wirtschaftpolitiken verweist. Im Anschluss daran präsentiert er mit Hegel und Marx eine antiliberale Alternative und endet schließlich mit dem Ausblick auf ein positives Konzept, dessen Zentrum von den Verboten der Sklavenhaltung und der Akkumulation (als Ergänzung der Forderungen nach Gleichheit und Freiheit) gebildet wird. Natürlich hat Veerkamp ein populärwissenschaftliches Buch geschrieben und will sich nicht mit der aktuellen Liberalismusforschung messen. Dennoch besitzt sein Buch gravierende Mängel. Er kritisiert ausgiebig die Theoretiker des wirtschaftlichen Liberalismus, ohne auf die unzähligen zeitgenössischen politischen Liberalen einzugehen, die die unhaltbare Prämisse des sich selbst regulierenden Marktes mit der Alternative konfrontieren, soziale Gerechtigkeit auf politischem Wege zu erreichen. Ein weiteres Problem des Buches besteht darin, dass Veerkamp zwar recht ausführlich und genau Theoretiker wie Hegel, Marx, Hayek und Rawls darlegt. Die intendierte Wissenschaftlichkeit ist jedoch nur eine vermeintliche, weil die Deutungen nicht selten polemisch sind und alternative Interpretationen mit keinem Wort erwähnt werden. Und daran krankt letztlich auch das gesamte Buch: Es präsentiert eine gut lesbare und informative Deutung der Apologeten und Kritiker des Wirtschaftsliberalismus, ohne sich an einer einzigen Stelle mit den zahlreichen Kritikern dieser marxistischen Deutungstradition auseinander zu setzen. Damit ist das Buch aber leider weder fair zum Leser, noch gibt es ihm die dringend benötigten Materialien an die Hand, sich durch die Lektüre ein wirklich eigenes Urteil über die Stärken und Schwächen des Kapitalismus bilden zu können.
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 5.43 | 5.33
Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Ton Veerkamp: Der Gott der Liberalen. Hamburg: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23607-der-gott-der-liberalen_27114, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27114
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Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
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