/ 17.06.2013
Gerd Antos / Ulla Fix / Ingrid Kühn (Hrsg.)
Deutsche Sprach- und Kommunikationserfahrungen zehn Jahre nach der "Wende"
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2001 (Wittenberger Beiträge zur deutschen Sprache und Kultur 2); 279 S.; brosch., 45,50 €; ISBN 3-631-37425-9Der Band ist hervorgegangen aus dem internationalen Kolloquium gleichen Titels im Juni 2000 in Wittenberg und will eine breit angelegte Zwischenbilanz über die entsprechenden soziolinguistischen Untersuchungen des vergangenen Jahrzehnts ziehen. Im Mittelpunkt steht dabei der Versuch, mit der Frage, ob beziehungsweise inwieweit herkunftsbezogene Präsuppositionen oder gar ideologische Prämissen in die bisherige Forschung zur deutsch-deutschen Sprach- und Kommunikationsproblematik unbewusst mit eingegangen sind, "ein bislang kaum thematisiertes Methoden-Problem zu enttabuisieren" (14). Da vermutet werden muss, dass sich, so vorhanden, die beteiligten Forscher nicht selbst von dem nationalen Bias frei machen können, erhoffen sich die Herausgeber diesen Effekt als Ergebnis der in ihrer Auswahl mehrfach auf kontrastierende Gleichgewichtigkeit bedachten Beiträge. So wurde thematisch gleichermaßen vor wie nach der Wiedervereinigung auf paritätische Besetzung durch Ost- und Westdeutsche geachtet, und deren gegenseitige Perspektive wurde nochmals kontrastiert durch die Einbeziehung von Beiträgen aus dem Ausland.
Inhalt: Prolog: Friedrich Schorlemmer: Wächst zusammen, was zusammen gehört? (19-35). Wissenschaftliche Beiträge: Patrick Stevenson: Das Deutsche vor der Wende aus der Außensicht oder La Questione della Lingua im Nachkriegsdeutschland (37-55); Manfred W. Hellmann: Das Bild von der 'Sprache der DDR' in der alten Bundesrepublik oder: Haben Sie so gesprochen? Rückblicke auf 50 Jahre westdeutsche Attitüden (57-79); Ulla Fix: Die Sprache in der DDR und in der "alten" Bundesrepublik aus der Perspektive der DDR-Linguistik - Oder: Wie Sie sprechen sollten (81-100); Norbert Dittmar: Deutsch-deutsche Sprach- und Kommunikationserfahrungen nach der "Wende" aus westdeutscher Perspektive (101-140); Gotthard Lerchner: Ostdeutsche Sprach- und Kommunikationserfahrungen nach der "Wende" aus ostdeutscher Perspektive (141-154); Barbara Wotjak: Lehrwerke aus der DDR - Wirkung und Nachwirkung: Grammatik (155-169); Csaba Földes: Darstellung und Nachwirkung der DDR in Deutschlehrwerken nach der "Wende": sprachliche und landeskundliche Aspekte (171-184); Alena Simecková / Marie Vachková: Wortbildung. Lehrwerke aus der DDR - Wirkung und Nachwirkung (185-193); Olga Bykova / Elena Tregubova: Arbeit mit und an DaF-Lehrwerken (195-205); Patricia R. Heck: Sprache und Sprachlosigkeit: Bemerkungen über den politischen Kontext von Sprache (207-216); Heinz Kreutz: Deutsch-deutsche Kommunikationserfahrungen nach der "Wende" aus australischer Perspektive (217-231); Charlotte Kahn: Deutsche Sprach- und Kommunikationserfahrungen zehn Jahre nach der "Wende" (233-241). Rundtischgespräche: Horst Dieter Schlosser: Rundtischgespräch: Sprache und Kommunikation vor der "Wende" (243-246); Ingrid Kühn: Rundtischgespräch: Sprache und Kommunikation nach der "Wende" (247-248); Gerd Antos: Welche sprachlichen Unterschiede führen zu Kommunikationsproblemen? Erfahrungen mit sprachlichen Welten und sozialen Deutungsmustern (249-251); Werner Holly: Gemeinsame Sprachkultur durch gemeinsame Kommunikationspraxis. Thesen zur deutsch-deutschen Sprache und Kommunikation nach der Wende (253-255); Karlheinz Jakob: Zusammenfassung des Beitrages zur Podiumsdiskussion (257-259); Dieter Herberg: Plädoyer für mehr Sensibilität beim Übereinander-Reden (261-263). Projekte: Jörg Palm: "Fremdheit in der Muttersprache. Wissenstransfer und Wertewandel als Kommunikationsproblem" - Kurze Vorstellung des Projekts (265-266); Klaus Almstädt / Ingrid Kühn / Anje Moosdorf: Sprachberatung in Halle von 1993-2000 (267-268); Antje Baumann: Vom "Wende-Deutsch" zum "Gesamtdeutsch" - 10 Jahre Sprachgebrauch im Wandel (269-271); Karin Birkner: DFG-Projekt: Fremdheit in der Muttersprache. Alltagsrhetorik in Ost- und Westdeutschland (273-274). Epilog: Horst Dieter Schlosser: Laudatio auf Manfred Hellmann (275-279).
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 2.35 | 2.315 | 2.313 | 2.314
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Gerd Antos / Ulla Fix / Ingrid Kühn (Hrsg.): Deutsche Sprach- und Kommunikationserfahrungen zehn Jahre nach der "Wende" Frankfurt a. M. u. a.: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16505-deutsche-sprach--und-kommunikationserfahrungen-zehn-jahre-nach-der-wende_18950, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18950
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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