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/ 17.06.2013
Friedrich Pohlmann

Deutschland im Zeitalter des Totalitarismus. Politische Identitäten in Deutschland zwischen 1918 und 1989

München: Olzog 2001; 173 S.; pb., 12,90 €; ISBN 3-7892-8056-9
Die radikalen politischen Umwälzungen im vergangenen Jahrhundert und die Erfahrung zweier verlorener Kriege hätten "tiefe Spuren" (9) in der Mentalität der Deutschen hinterlassen, so die These des Autors. Die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche von 1917 bis 1989 ordnet er der Totalitarismus-Theorie zu und erweitert dieses um das doppelte Verhältnis, das Kommunismus und Nationalsozialismus zum Krieg gehabt hätten. Beide seien aus dem Ersten Weltkrieg hervorgegangen und hätten den Krieg zum "integralen Element ihrer selbst erhoben" (12). Außerdem habe der Nationalsozialismus einen "totalfeindlichen Bezug" (13) zum Kommunismus gehabt und umgekehrt. Beide Ideologien zeichneten sich ferner durch quasi-religiöse Strukturen aus. Als Belege für seine Aussagen zieht Pohlmann in erster Linie die Äußerungen der politischen Akteure heran. Dabei stellt sich allerdings die Frage der historisch korrekten Gewichtung. So wird Rosa Luxemburg ausführlich zitiert, obwohl sie die Meinung einer politischen Minderheit vertreten hat. Erschwert wird die Lesbarkeit des Buches durch die zahllosen Zitate und die Übernahme der jeweiligen Propagandasprache. Der Autor, der auffällig in der Ich-Form schreibt, positioniert sich in das Umfeld des Historikers Ernst Nolte und wird gegen Ende des Buches immer polemischer - so habe der Kampf gegen rechts ab 1992/93 "teilweise offen wahnhafte Züge" (156) angenommen. Erkenntnisse zu seiner Frage, in welcher Weise sich die Mentalität der Deutschen - und nicht die Parolen der politischen Akteure - infolge der politischen Umbrüche verändert hat, bietet der Autor nicht. Inhaltsübersicht: I. Die vier Epochen im "Zeitalter des Totalitarismus"; II. Zur Entstehung totalitärer Feind- und Selbstbilder im Kontext des Umbruchjahres 1918; III. Die Ideologien und Identitäten der kommunistischen und nationalsozialistischen Bewegung; IV. Verwirklichungsformen nationalsozialistischer Ideologie in der Epoche des Faschismus von 1933 bis 1945; V. Ideologien und Politische Identitäten in der DDR und der Bundesrepublik im "Kalten Krieg"; VI. Ideologien und Identitäten in der Bundesrepublik und der DDR im Kontext von "1968" und der Entspannung; Ausblick: 1989 und danach.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.31 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Friedrich Pohlmann: Deutschland im Zeitalter des Totalitarismus. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15112-deutschland-im-zeitalter-des-totalitarismus_17168, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17168 Rezension drucken
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