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/ 21.06.2013
Wolfgang Schluchter

Die Entzauberung der Welt. Sechs Studien zu Max Weber

Tübingen: Mohr Siebeck 2009; IX, 154 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-16-150139-5
Die sechs Studien des Soziologen Schluchter sind in den vergangenen Jahren hauptsächlich aus Vorträgen entstanden. Neben der Erläuterung und Interpretation Webers geht es in den Studien insbesondere um dessen weiterhin gültige Aktualität. So wird Max Webers Sicht auf die Moderne analysiert, die der Autor als eine „Entzauberung der Welt“ (1) bezeichnet. Sie vollziehe sich in zwei aufeinanderfolgenden Prozessen, zunächst in Form einer religiösen Rationalisierung, danach durch den Einzug der Wissenschaft, die ihrerseits wiederum die Religion entzaubere. Auch setzt Schluchter sich mit Schlüsselbegriffen auseinander, die für eine Soziologie im Sinne Webers von eminenter Bedeutung sind. Dabei wird anhand von Webers Religionssoziologie auf Arbeiten von Rainer Lepsius eingegangen, die als prägenden Dreiklang Institutionen und die von ihnen zu vermittelnden Ideen und Interessen aufweisen. Webers These, die frühkapitalistische Berufsethik speise sich aus den Traditionen des asketischen Protestantismus, steht im Mittelpunkt der dritten Studie. Die Aktualität dieser These liege in der Entfremdung des modernen Kapitalismus von diesen Wurzeln und den damit verbundenen Folgen. Anschließend bezieht sich Schluchter auf Webers Bewertung des Kapitalismus als universalgeschichtliches Phänomen. Im Gegensatz insbesondere zu Marx sieht Weber den Kapitalismus nicht als ein rein neuzeitliches Phänomen, welches einer historischen Phase entspreche. Vielmehr habe es den Kapitalismus schon zu früheren Zeiten in den Kulturen des Okzidents gegeben. Die vorzunehmende Abgrenzung beziehe sich somit auf den modernen Kapitalismus gegenüber seinen traditionellen Erscheinungsformen. Webers berühmte Rede „Politik als Beruf“ (88) wird im Folgenden analysiert. Schluchter ordnet sie zunächst in ihren historischen Kontext ein, um anschließend den Inhalt in der thematischen Gliederung von Form und Geist der Politik zu betrachten. Die Aktualität dieser Rede findet sich als Plädoyer für verstärkte plebiszitäre Elemente und als Erinnerung an die Eigenschaften eines geeigneten Politikers: Verantwortungsgefühl, Rhetorik und Charisma. Im letzten Abschnitt wird auf Webers Konstruktion einer verstehenden Soziologie anhand seines Werkes „Wirtschaft und Gesellschaft“ (113) eingegangen. Hier zeigt Schluchter einen Entwicklungsprozess in den Überlegungen Webers auf, der nach Jahren eine Ergänzung dieses Textes im Hinblick auf die „Soziologischen Grundbegriffe“ (111) vornahm.
Arne Arps (AA)
M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Arne Arps, Rezension zu: Wolfgang Schluchter: Die Entzauberung der Welt. Tübingen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31739-die-entzauberung-der-welt_37823, veröffentlicht am 24.08.2010. Buch-Nr.: 37823 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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