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/ 21.06.2013
Ursula Degener / Beate Rosenzweig (Hrsg.)

Die Neuverhandlung sozialer Gerechtigkeit. Feministische Analysen und Perspektiven

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006 (Politik und Geschlecht 18); 364 S.; brosch., 49,90 €; ISBN 978-3-531-15055-0
Der Band geht auf eine Tagung des Arbeitskreises „Politik und Geschlecht” in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft vom Juni 2005 zurück. Die achtzehn überwiegend deutschsprachigen Beiträge sollen den Stand der feministischen Debatte um die Neuverhandlung sozialer Gerechtigkeit aufzeigen und wurden in drei thematische Blöcke gegliedert: (1) Theoriediskurse, (2) soziale Gerechtigkeit im Kontext von Globalisierung und Europäischer Integration und (3) die Auswirkungen von sozialstaatlichen Reformen auf die Geschlechterverhältnisse. Der feministische Gerechtigkeitsdiskurs bezieht sich meist auf die Dimensionen Umverteilung, Anerkennung und politische Repräsentation bzw. Partizipation, wodurch die „Interdependenz subjektiver Ungerechtigkeitserfahrungen, struktureller Ungleichheiten und mangelnder Repräsentation” (15) deutlich wird. Während die theoretische Auseinandersetzung versuche, ein feministisches Verständnis von sozialer Gerechtigkeit zu entwickeln, das dieser Komplexität von Ungleichheit gerecht wird, erscheine deren „Neuverhandlung” in der gegenwärtigen politischen Auseinandersetzung überwiegend als gesellschaftlich-politische Verabschiedung von geteilten Gerechtigkeitsvorstellungen: So fände im Zuge neoliberaler Privatisierungsdiskurse eine Depolitisierung bzw. stärker noch eine Individualisierung von Gerechtigkeitsfragen statt. Zugleich entstünden über die Ökonomisierung von Politik neue Ungleichheitsverhältnisse zwischen den Geschlechtern, aber auch innerhalb gesellschaftlicher (Genus-)Gruppen. Die Widersprüchlichkeit einer Modernisierung der Geschlechterverhältnisse bei gleichzeitiger Beibehaltung bestehender (Geschlechter-)Hierarchien werden auch aus den Analysen der jüngsten Reformen in der deutschen Sozial-, Arbeitsmarkt- und Familienpolitik deutlich. Der Sammelband ermöglicht in seiner Mischung aus theoretischen und empiriegestützten Beiträgen eine vertiefte Auseinandersetzung mit der feministisch-politologischen Debatte um soziale Gerechtigkeit.
Alexandra Scheele (AS)
Dr., Politikwissenschaftlerin, Akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie der BTU Cottbus.
Rubrizierung: 2.272.25.423.62.362.342 Empfohlene Zitierweise: Alexandra Scheele, Rezension zu: Ursula Degener / Beate Rosenzweig (Hrsg.): Die Neuverhandlung sozialer Gerechtigkeit. Wiesbaden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26579-die-neuverhandlung-sozialer-gerechtigkeit_30980, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30980 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA