/ 22.06.2013
Oliver Marchart
Die politische Differenz. Zum Denken des Politischen bei Nancy, Lefort, Badiou, Laclau und Agamben
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2010 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1956); 391 S.; 14,- €; ISBN 978-3-518-29556-4Die terminologische Differenzierung zwischen „der Politik“ und „dem Politischen“ wird als Charakteristikum einer sich erneuernden politischen Theorie gelesen und gegenwärtig heftig diskutiert. Diese „politische Differenz“ steht im Zentrum von Marcharts Studie, mit der er eine überarbeitete und stark erweiterte Fassung seines Buches „Post-foundational Political Thought. Political Difference in Nancy, Lefort, Badiou and Laclau (Edinburgh, 2007) vorlegt. Im ersten Teil, dem einzigen gegenüber der Vorgängerstudie unveränderten, wird dem Politischen begriffshistorisch nachgespürt. Das Denken der politischen Differenz wird in der breiten Strömung des „Linksheideggerianismus“ (19) französischer Tradition verortet. Heideggers ontologischer Differenz verpflichtet, wird die politische Differenz von ihren Verfechtern in Reaktion auf „die Krise des fundamentalistischen Denkhorizonts“ (15) eingeführt – so die These. Diese Fundamentalismen gingen von Prinzipien aus, die jedem politischen oder sozialen Zugriff entzogen seien. Demgegenüber werde mit dem Denken der politischen Differenz ein Postfundamentalismus erkennbar, der zwar nicht die Notwendigkeit von Begründung überhaupt bestreite, wohl aber die Anwesenheit eines letzten Grundes. Die Einführung des Begriffs des Politischen diene der Erfassung der daher immer aufs Neue anstehenden Institution und Be-Gründung von Gesellschaft, die durch traditionelle Begriffe der Politik nicht zu leisten seien. In einem zweiten Teil erfolgt ein systematischer Vergleich der Denker des Politischen, in dem nicht nur ihre Familienähnlichkeiten und Differenzen sichtbar werden, sondern auch Engführungen und Inkonsequenzen herausgearbeitet werden. Der dritte Teil schließlich ist der Ausarbeitung jener Konsequenzen der politischen Differenz gewidmet, denen die zuvor behandelten Autoren zum Teil aus dem Weg gehen. So sollen Konturen eines Projekts radikaler Demokratie sichtbar werden, das in eine demokratische „Ethik der Selbstentfremdung“ mündet, womit – unter Rekurs auf Honneth – die „Anerkennung der Unbedingtheit des Bedingten“ (333) angesprochen wird.
Nikolai Münch (NM)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Forschungszentrum Laboratorium Aufklärung, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42 | 5.44
Empfohlene Zitierweise: Nikolai Münch, Rezension zu: Oliver Marchart: Die politische Differenz. Frankfurt a. M.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32264-die-politische-differenz_38500, veröffentlicht am 16.08.2010.
Buch-Nr.: 38500
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M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Forschungszentrum Laboratorium Aufklärung, Universität Jena.
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