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/ 20.06.2013
Gustav E. Gustenau / Otmar Höll / Thomas Nowotny (Hrsg.)

Europe - USA: Diverging Partners

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2006 (Wiener Schriften zur Internationalen Politik 8); 360 S.; brosch., 54,- €; ISBN 3-8329-1397-1
Zwar haben die Vereinigten Staaten und die europäischen Länder ihre vorwiegend in Fragen der Außenpolitik begründeten Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre beigelegt. Beide Seiten haben mittlerweile den aus der bi- und multilateralen Kooperation erwachsenden Nutzen erkannt und betonen fast ein wenig übertrieben die „Wiederentdeckung“ der transatlantischen Beziehungen. Die unter dieser Rhetorik liegenden sachlichen Differenzen existieren jedoch weiter: Beide Seiten unterscheiden sich sowohl bezüglich der anzustrebenden Ziele in innenpolitischen Fragen (z. B. Sozial-, Wirtschafts- und Zuwanderungspolitik) als auch in ihren weltpolitischen Ordnungsvorstellungen. Dabei sollte man eigentlich ein höheres Maß an Konvergenz erwarten, denn die Volkswirtschaften dies- und jenseits des Atlantiks sind eng verwoben, die Gesellschaftsstruktur ist letztlich ähnlich und viele ökonomische und soziale Entwicklungen sind gleichgerichtet. Schließlich stehen die USA und die Staaten Europas auch vor weitgehend identischen sicherheitspolitischen Herausforderungen, vor allem der Begrenzung der Proliferation von Massenvernichtungswaffen und dem Kampf gegen den transnationalen Terrorismus. Die unabweisbaren Differenzen zwischen den Akteuren resultierten also – so der Tenor der Beiträge – nicht aus den materiellen Rahmenbedingungen politischen Handelns, sondern vorwiegend aus ideellen Faktoren, nämlich den unterschiedlichen Bedrohungswahrnehmungen im internationalen System und den verschiedenen Wegen der amerikanischen und europäischen Gesellschaften, sich mittels innen- und außenpolitischer Grundentscheidungen selbst zu definieren. Die im politischen Diskurs anzutreffende Suche nach spezifisch europäischen und amerikanischen Identitäten befördere diese Unterschiede noch weiter, so dass auch die Suche nach gemeinsamen Interessen diese transatlantische Kluft nicht mehr schließen könne.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.12.222.232.2622.642.614.23.53.6 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Gustav E. Gustenau / Otmar Höll / Thomas Nowotny (Hrsg.): Europe - USA: Diverging Partners Baden-Baden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25481-europe---usa-diverging-partners_29554, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29554 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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