/ 22.06.2013
Ralf Elm / Ingo Juchler / Jürgen Lackmann / Siegbert Peetz (Hrsg.)
Grenzlinien. Interkulturalität und Globalisierung: Fragen an die Sozial- und Geisteswissenschaften
Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2010 (Wochenschau Wissenschaft); 158 S.; 16,80 €; ISBN 978-3-89974579-5Prozesse globaler Entgrenzungen und Vernetzungen stellen eine Herausforderung an das Vermögen der Menschen dar, sich in einer hochgradig komplexen, dynamischen und pluralistischen Welt zu orientieren und selbst zu verorten. Ökonomische Krisen, soziale Verunsicherungen und neue oder wiederbelebte kulturelle Konfliktlinien müssen nicht zuletzt in individuellen und kollektiven Lernprozessen verarbeitet werden. Der Band untersucht aus unterschiedlichen Perspektiven der Sozial- und Geisteswissenschaften die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten einer interkulturellen Hermeneutik und zugleich einer hermeneutisch orientierten Bildungs- und Lerntheorie. Im Beitrag von Ralf Elm werden zunächst die philosophisch-hermeneutischen Traditionen im Anschluss an Heidegger und Gadamer als Grundlage für das Verständnis eigener und anderer Erfahrungs- und Lebenszusammenhänge geklärt. Das „hermeneutische Wissen um das Getragensein des Verstehens von wirkungsgeschichtlich-kulturellen Vorgaben sensibilisiert für andere kulturelle Horizonte, für heterogene Sprach-, Denk- und Lebensformen“ (50). Aus einer religionspädagogischen Perspektive veranschaulicht Herbert Rommel am Beispiel der biblischen „Gottesebenbildlichkeit“ und der „Stellvertreterschaft“ als Menschenbild im Koran gemeinsame Anknüpfungspunkte für Juden, Christen und Muslime (62). Im Mittelpunkt des vorgeschlagenen „ethischen Trialogs“ steht dabei die Frage, „wie der theologisch begründete Wert des Menschen vor seiner ökonomischen Entwertung geschützt werden kann“ (75). Am Beispiel des unter globalen Wettbewerb und umgreifenden Ökonomisierungstendenzen drohenden „Umbau des Menschenbildes“ (63) verdeutlicht Rommel gleichzeitig die Möglichkeit einer „kritisch-produktiven Verstehensleistung“, die Menschen befähigt, „sich selbst vom religiös Fremden her“ zu verstehen (75). Ingo Juchler untersucht die Aktualität antiker politischer Mythen zur Konstruktion und Instrumentalisierung kultureller und politischer Konfliktlinien. Er kommt zu dem Schluss, dass Lernprozesse kollektive Stigmatisierungen durch ein Offenlegen ihrer vielfältigen kulturellen Ursprünge und Vermittlungsformen aufbrechen müssen , um einer weiteren „Politisierung der kulturellen Differenz“ sowie einer „Kulturalisierung von Konfliktkonstellationen angesichts blockierter Lebenschancen“ (Senghaas, 109) entgegenzusteuern.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.2 | 2.23 | 2.35 | 5.42 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Ralf Elm / Ingo Juchler / Jürgen Lackmann / Siegbert Peetz (Hrsg.): Grenzlinien. Schwalbach/Ts.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32726-grenzlinien_39082, veröffentlicht am 19.11.2010.
Buch-Nr.: 39082
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Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
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