/ 21.06.2013
Adam Tooze
Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus. Aus dem Englischen von Yvonne Badal
Berlin: Siedler Verlag 2006; 927 S.; Ln., 44,- €; ISBN 978-3-88680-857-1Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus hat unter deutschen Historikern zuletzt 1999/2001 zu einer Debatte geführt; gemeint ist die Auseinandersetzung zwischen Werner Abelshauser und Christoph Buchheim. Sah der eine einen keynesianischen Ansatz, der schließlich in einen militärischen Keynesianismus führte, so verwies der andere darauf, dass die Eingriffe der NS-Regierung in die Wirtschaft eher schädlich als förderlich waren. Einen ganz anderen Zugriff unternimmt nun Tooze, Historiker in Cambridge. Zunächst wendet er sich den ersten vier Jahren des NS-Systems zu und subsumiert sie unter dem Stichwort „Erholung”. Gemeint ist damit die Überwindung der Krise von 1929. Dabei setzte die NS-Wirtschaftspolitik auf Themen wie „Jedem Arbeiter einen Arbeitsplatz” oder „Erhalt des Bauerntums”. Im zweiten Teil entfaltet Tooze die Zeit von 1936 bis 1940 und überschreibt diese Phase mit „Krieg in Europa”, um von der Wende im Jahr 1936 auszugehen (u. a. Beginn des Spanischen Bürgerkriegs) und zu Hitlers strategischem Dilemma (England oder Amerika?) zu führen. Der dritte Teil behandelt dann den Weltkrieg bis zum Ende des Systems. Dabei zeigt Tooze, wie sehr Hitlers Weltbild und Konzept nicht nur politisch und rassenbiologisch geprägt war, sondern nicht zuletzt auch ökonomisch, indem er seine Absichten nicht nur auf mehr „Lebensraum”, sondern gerade auch auf den Zugewinn an Ressourcen richtete. Deutschland sollte nicht nur eine militärische Supermacht werden, sondern ebenso auch eine wirtschaftliche. Dazu war jedes Mittel recht, selbst das des Hungerkrieges, das in der Sowjetunion verfolgt wurde, denn dies lag in der Konsequenz der „Ökonomie der Zerstörung”. Adam Tooze hat so mit seinem Opus magnum nicht zuletzt die deutsche Debatte über das NS-Wirtschaftssystem neu angestoßen.
Klaus Kremb (KK)
Dr., Oberstudiendirektor, Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler, Lehrbeauftragter, Fachgebiet Politikwissenschaft, TU Kaiserslautern.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Klaus Kremb, Rezension zu: Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27834-oekonomie-der-zerstoerung_32689, veröffentlicht am 03.12.2007.
Buch-Nr.: 32689
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Dr., Oberstudiendirektor, Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler, Lehrbeauftragter, Fachgebiet Politikwissenschaft, TU Kaiserslautern.
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