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/ 21.06.2013
Axel Salheiser

Parteitreu, plangemäß, professionell? Rekrutierungsmuster und Karriereverläufe von DDR-Industriekadern

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 315 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-16943-9
Soziolog. Diss. Jena; Gutachter: H. Best, M. Hofmann. – Die „Rekrutierungsmuster und Karrierelogiken“ (21) vor allem der Kombinatsdirektoren – sie waren so etwas wie die sozialistischen Manager – stehen im Mittelpunkt dieser Studie. Der Autor stützt seine empirischen Untersuchungen auf den Zentralen Kaderdatenspeicher (ZKDS) des Ministerrates auf dem Stand von 1989. Erfasst waren 32.493 Kader aus 125 Kombinaten im Bereich der zehn Industrieministerien. Salheiser kommt über die umfangreiche Auswertung dieser Daten zu beispielhaften Belegen für den fundamentalen Widerspruch zwischen Anspruch und Realität, der als prägendes Charakteristikum der SED-Diktatur deutlich wird. Als wichtigen Ausgangspunkt der Untersuchung hält Salheiser fest, dass die Elitenbildung in sozialistischen Gesellschaften von der politischen Führung „unter dem Primat der Machterhaltung“ (39) gesteuert wurde. Angestrebt wurde ein beispielloser Umbauprozess der Sozialstruktur und tatsächlich auch – u. a. über das Bildungssystem – eine hohe Aufstiegsmobilität geschaffen. Salheiser kann allerdings nachweisen, dass das Regime trotzdem nicht den angestrebten Erfolg erzielte, im Gegenteil. So hatte die Arbeiterherkunft – für das SED-Regime vorgeblich das wichtigste Kriterium – „gegenüber der Herkunft aus den bürgerlichen und Intelligenzmilieus keinen Effekt der Chancenverbesserung, sondern einen schwachen, aber signifikant negativen Effekt“. Die Wahrscheinlichkeit, eine Spitzenposition in der DDR-Industrie einzunehmen, betrug außerdem für Frauen „weniger als ein Drittel der Wahrscheinlichkeit, die für Männer zu veranschlagen war“ (266). Salheiser ordnet diese Benachteiligung als strukturelle Diskriminierung ein. Dazu passt der Befund zur sozialen Stellung der Ehepartnerinnen der Kombinatsdirektoren: „der Hausfrauenstatus der Gattin“ (268) und damit das bürgerliche Ehe- und Familienmodell wirkte sich karrierefördernd aus. Ein starker positiver Effekt zur Ankurbelung der Karriere aber konnte vom Einzelnen nur mit einer Entscheidung erreicht werden: dem Eintritt in die SED.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Axel Salheiser: Parteitreu, plangemäß, professionell? Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31724-parteitreu-plangemaess-professionell_37800, veröffentlicht am 10.03.2010. Buch-Nr.: 37800 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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