/ 21.06.2013
Friederike Baer
Zwischen Anlehnung und Abgrenzung. Die Jugoslawienpolitik der DDR 1946 bis 1968
Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2009 (Dresdner Historische Studien 11); 327 S.; 37,90 €; ISBN 978-3-412-20387-0Geschichtswiss. Diss. Dresden; Gutachter: R. Pommerin. – Die Autorin untersucht u. a. anhand der umfangreichen Archivalien des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR und des Archivs der Parteien und Massenorganisationen der DDR die Jugoslawienpolitik des Landes und arbeitet heraus, welche Rolle dabei die ideologischen Unterschiede zwischen der Auffassung der SED und der Kommunistischen Partei Jugoslawiens spielten. Dabei zeigt sich, dass bald nach dem Ausschluss Jugoslawiens aus dem Ostblock 1948 die ökonomischen Interessen die Außenpolitik der DDR bestimmten. Jugoslawien war bereits 1947 durch Versuche der Sowjetunion verstimmt, ein Agentennetzwerk im Land zu etablieren und die Kontrolle über den Außenhandel des Landes zu erhalten. Nach dem Ausschluss Jugoslawiens agitierte man zunächst auch in der DDR gegen den Staat und beendete die Kontakte mit ihm. Doch, so Baer, „musste Berlin in der Folge hilflos mit ansehen, wie sich die deutschlandpolitischen Auseinandersetzungen auf jugoslawischem Terrain abspielten“ (80). Die Belgrader Führung sah sich nämlich fortan auf die militärische und wirtschaftliche Hilfe des Westens angewiesen und erhielt neben anderer Unterstützung auch Kredite aus der Bundesrepublik, man schloss ein Abkommen über den Luft- und Schienenverkehr und tauschte sich über Fragen der Sozialversicherungen und des Rechtswesens aus. Als Jugoslawien, dessen Außenpolitik von der Existenz zweier deutscher Staaten ausging, 1958 die DDR anerkannte, schloss Bonn die deutsche Vertretung. Die Wirtschaftskontakte blieben davon zwar unberührt, jedoch urteilt die Autorin, dass der Abbruch der Beziehungen durch Bonn für Ostberlin „eine Niederlage im Anerkennungskampf“ (160) bedeutete. Der Anerkennung der DDR durch Jugoslawien waren wirtschaftliche Zugeständnisse Ostberlins vorausgegangen, denn „die jugoslawische Führung wünschte eine Gegenleistung“ (217). Mit Blick auf den Wunsch der DDR nach Anerkennung, resümiert Baer, könne man durchaus von einer „aggressiven Außenpolitik“ sprechen, die „notfalls sogar ideologische Grundsätze verletzte“ (305).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.314 | 4.22 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Friederike Baer: Zwischen Anlehnung und Abgrenzung. Köln/Weimar/Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31155-zwischen-anlehnung-und-abgrenzung_37049, veröffentlicht am 23.02.2010.
Buch-Nr.: 37049
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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