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/ 21.06.2013
Anja Heinrichs

Die europäische Integration aus Sicht Mittel- und Osteuropas. Polen, Tschechische Republik und Ungarn in der EU-Verfassungsdebatte

München: Herbert Utz Verlag 2006 (Reihe Politikwissenschaften 81); 137 S.; brosch., 24,- €; ISBN 978-3-8316-0565-1
Schon lange vor der bisher größten Erweiterungsrunde in der Geschichte der Europäischen Union im Mai 2004 begann die notwendige Debatte um deren künftige Handlungsfähigkeit, notwendige institutionelle Reformen und um die „Finalität“ des europäischen Einigungsprozesses überhaupt. Während die europapolitischen Positionen der meisten „alten“ Mitgliedstaaten in dieser Debatte und im Ringen um eine europäische Verfassung jedoch weitgehend bekannt waren und sind, ergibt sich bei der Frage nach den Zielen und Interessen der „neuen“ osteuropäischen Mitglieder in Bezug auf die Reform und Finalität der Union eine interessante Forschungslücke. Existieren in den post-sozialistischen Beitrittsstaaten bereits klare Vorstellungen von der zukünftigen Gestalt der EU? Wenn ja, welche? Gibt es eventuell sogar eine gemeinsame Europakonzeption oder unterscheiden sich die europapolitischen Zielsetzungen der Polen, Tschechen und Ungarn entscheidend voneinander? Anhand der Beratungen des Europäischen Konvents zur Erarbeitung einer europäischen Verfassung (2002/03) und während des anschließenden Brüsseler EU-Gipfels (2003) wird in diesem Buch deutlich gemacht, dass vor allem unter den osteuropäischen Beitrittsländern eine pragmatische und auf die Bewahrung des „nationalen Besitzstandes“ ausgerichtete EU-Konzeption vorherrscht. Die nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes neu gewonnene Handlungsfreiheit wollen Polen, Tschechen und Ungarn nur dann eingeschränkt sehen, wenn damit sowohl dem Gemeinschaftsinteresse als auch dem nationalen Interesse gedient ist, berichtet Heinrichs. Trotz dieser Konvergenzen sei es bisher allerdings nicht zu einer europapolitischen Interessenkoalition dieser Staaten gekommen, auch weil sich beispielsweise Tschechen und Ungarn hinsichtlich institutioneller Reformen bisher weitaus integrationsfreundlicher und flexibler als Polen oder Balten zeigten, so die Autorin.
André Härtel (ANH)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Rubrizierung: 3.13.22.61 Empfohlene Zitierweise: André Härtel, Rezension zu: Anja Heinrichs: Die europäische Integration aus Sicht Mittel- und Osteuropas. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26605-die-europaeische-integration-aus-sicht-mittel--und-osteuropas_31015, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 31015 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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