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/ 21.06.2013
Peter Hartz

Macht und Ohnmacht. Ein Gespräch mit Inge Kloepfer

Hamburg: Hoffmann und Campe 2007; 315 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-455-50028-8
Was nützen die seitenlangen eloquenten Ausführungen über den Segen der betrieblichen Mitbestimmung von Arbeitnehmern oder die Klagen über einen vermeintlichen gesellschaftlichen Unwillen, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, wenn Hartz zu der brasilianischen Geliebten, die dem VW-Betriebsratschef aus der Firmenkasse bezahlt wurde, nicht mehr einfällt als: „Für mich war sie eine Mitarbeiterin, die für den Betriebsrat arbeitete. Eine Stelle mehr fiel quantitativ kaum ins Gewicht“ (277). Das es sich eher um eine Frage der Qualität in dem Sinne handelt, dass die Aktionäre und die VW-Arbeiter, die unter anderem die Vier-Tage-Woche zu akzeptieren hatten, erwarten können, dass mit dem Vermögen des Konzerns sinnvoll umgegangen wird, kommt dem ehemaligen VW-Personalchef, ehemaligem Kanzler-Berater, SPD- und Gewerkschaftsmitglied Hartz nicht in den Sinn. Die Journalistin Kloepfer versucht allerdings, ihm Ausflüchte zu verwehren, und fragt dafür, dass es sich um ein Interviewbuch handelt, verhältnismäßig hart nach. So rechnet sie Hartz vor: „Insgesamt hat sich ein von Ihnen zu verantwortender Vermögensschaden für Volkswagen von 2,6 Millionen Euro ergeben.“ (301) Der VW-Skandal endete für Hartz, unter dessen Augen zwei seiner Mitarbeiter zu ihrem eigenen Vorteil Tarnfirmen errichtet hatten und der selbst daran beteiligt war, Betriebsräte zu begünstigen, bereits mit einem Gerichtsurteil. Es lautet auf zwei Jahre Freiheitsentzug auf Bewährung und eine Geldstrafe von 576.000 Euro. In diesem Interview äußert sich Hartz zum ersten Mal ausführlich – zu seinem Werdegang, zum VW-Skandal und zu seiner Rolle in der Politik als Vorsitzender einer Kommission, die Vorschläge zur Reform des Arbeitsmarktes erarbeiten sollte. Mit den Hartz-Reformen, die sich nicht mit seinen Vorschlägen deckten, war er, wie er meint, zum Buhmann der Nation geworden. Sein Scheitern in der Politik lässt sich sicher auch damit erklären, dass Hartz (immer noch) einem Trugschluss unterliegt, wenn er meint, seine einstigen Erfolge bei VW ließen sich auf ein ganzes Land übertragen – und nicht sieht, dass ein keine Deutschland AG gibt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.342 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Peter Hartz: Macht und Ohnmacht. Hamburg: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27449-macht-und-ohnmacht_32158, veröffentlicht am 27.03.2008. Buch-Nr.: 32158 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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