/ 22.06.2013
Margreth Lüneborg / Jutta Röster (Hrsg.)
Ungleich mächtig. Das Gendering von Führungspersonen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in der Medienkommunikation
Bielefeld: transcript Verlag 2012 (Critical Media Studies 6); 270 S.; 26,80 €; ISBN 978-3-8376-1692-7Der Sammelband dokumentiert die Ergebnisse eines breit angelegten Forschungsprojektes. Empirisch gründen diese auf der quantitativen und qualitativen Auswertung von dreizehn Printmedien (informations- und unterhaltungsorientiert) und zehn Nachrichtensendungen, die von vier verschiedenen Fernsehsendern ausgestrahlt wurden. Zwar liegen vor allem seit der Wahl Angela Merkels zur Bundeskanzlerin mittlerweile einige Studien zur (veränderten?) Repräsentation von Politikerinnen in den Medien vor; dieses Projekt geht allerdings in zweierlei Hinsicht über bisherige Analysen hinaus. Zum einen beschränkt sich die empirische Basis nicht wie üblich auf das politische Feld, sondern es wird ein systematischer Vergleich der Bereiche Politik, Wirtschaft und Wissenschaft angestellt. Zum anderen werden vergleichend die medialen Darstellungen (und deren eventuelle Veränderungen) von Frauen und Männern untersucht, was detailliertere Aussagen über die (Re-)Produktion von Geschlechterstereotypen erlaubt. In der Gesamtschau zeigt sich, dass trotz vermehrten medialen Interesses bislang kaum wirkliche Veränderung stattgefunden hat und von einer weitgehend geschlechtsneutralen Berichterstattung wenig die Rede sein kann. So waren im Jahr 2008 nur 30 Prozent der Medienbeiträge Spitzenpolitikerinnen gewidmet, obwohl ihr Anteil am politischen Personal deutlich höher ausfiel. Relativiert wird diese Zahl zusätzlich durch die Tatsache, dass mehr als die Hälfte aller Beiträge auf Angela Merkel entfiel. Allerdings weist die vergleichende Darstellung auch auf einige interessante Aspekte hin, die bei anderen Untersuchungen bisher unter den Tisch gefallen sind: Auch männliche Führungskräfte werden oft mit geschlechterspezifischen Klischees behaftet dargestellt. Diese sind zwar häufig weniger negativ konnotiert, dafür werden aber bestimmte Facetten meist ausgeblendet – etwa, dass auch das Privatleben männlicher Spitzenkräfte unter ihrem Job zu leiden hat. Alles in allem lässt sich aus den Untersuchungsergebnissen zwar schließen, dass durchaus eine Modernisierung öffentlicher Frauenbilder in den Medien zu beobachten ist. Diese geht jedoch nicht mit einer Abkehr von Geschlechterzuschreibungen einher. Während die aktive mediale Produktion von Männlichkeitsbildern unverändert stattfindet, ist vor allem im Bereich der Wirtschaft der Rückgriff auf tradierte Weiblichkeitszuschreibungen weiterhin üblich.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.36 | 2.333
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Margreth Lüneborg / Jutta Röster (Hrsg.): Ungleich mächtig. Bielefeld: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35437-ungleich-maechtig_42716, veröffentlicht am 10.01.2013.
Buch-Nr.: 42716
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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