/ 20.06.2013
Eske Wollrad
Weißsein im Widerspruch. Feministische Perspektiven auf Rassismus, Kultur und Religion
Königstein/Ts.: Ulrike Helmer Verlag 2005; 217 S.; pb., 20,- €; ISBN 3-89741-176-8Hierzulande werden die Bezeichnungen „farbig“ oder „mit Migrationshintergrund“ für Menschen verwandt, deren Hautfarbe oder sozialer Status kein „weißer“ ist. Hinter solchen Begriffen steht, so die Botschaft dieses Buches, ein mehr oder minder explizit rassistisches Verständnis menschlicher Identität und Zugehörigkeit. Nur hellhäutigen Deutschen komme das Privileg zu, „[e]infach dazuzugehören“ (16), oder beim Kauf „hautfarbener“ Produkte tatsächlich Kosmetik oder Wundpflaster im Farbton ihrer Haut zu erwerben. Für die promovierte feministische Theologin Wollrad kennzeichnet die immer schon vorausgesetzte Normativität von Weißsein unsere Gesellschaft als rassistische. Es ist deshalb Wollrads Anliegen, diese scheinbare Normalität und Neutralität des Weißseins zu hinterfragen und einen hegemonie- und herrschaftskritischen Blick auf politische, geschlechtliche, kulturelle und materielle Aspekte einer rassistischen Gesellschaft zu werfen. Wollrad geht dabei interdisziplinär vor, verwebt Kolonial- und Religionsgeschichte auf der Grundlage der US-amerikanischen „critical whiteness studies“, und bezieht auch prägende Kino-Produktionen und die „Whitening-Industrie“ (28) der Kosmetik-Branche mit ein. Diese vielfältigen Perspektiven ergeben ein facettenreiches und erschreckendes Bild des alten und neuen Rassismus. Das aktivistische Ziel, Bündnisse gegen rassistische Unterordnungs- und Ausschlussmechanismen zu ermöglichen, verfolgt Wollrad mit sprachlicher Sensibilität, anschaulichen Beispielen und einer differenzierten analytischen Haltung. Die Autorin zeigt anhand zahlreicher Beispiele, dass Weißsein keine Naturgegebenheit, sondern eine zu erlernende und zu erwerbende hegemoniale Praxis ist. Dem stellt sie die Unterdrückungserfahrung des Schwarzseins gegenüber, sodass Rassismus als Gewaltform deutlich wird. Ein Fragenkatalog und eine instruktive Thesenliste am Ende des Buches können für die antirassistische Arbeit verwendet werden.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 2.23 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Eske Wollrad: Weißsein im Widerspruch. Königstein/Ts.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23916-weisssein-im-widerspruch_27492, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27492
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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