/ 20.06.2013
Solveig Simowitsch
"... Werden als Wortbrüchige in die Geschichte der SPD eingehen ..." Sozialdemokratische Konvertiten. Wilhelm Höcker, Carl Moltmann, Otto Buchwitz und Heinrich Hoffmann
Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2006; 360 S.; brosch., 44,- €; ISBN 978-3-86573-158-6Diss. Rostock; Gutachter: W. Müller, E. Jesse, D. Brunner. – An dem Urteil, wonach es sich bei dem Zusammenschluss von SPD und KPD in der Sowjetischen Besatzungszone um eine Zwangsvereinigung handelte, rüttelt die Autorin nicht. Sie lenkt aber den Blick auf eine Minderheit in der SPD, die diese Vereinigung unterstützte und den Kommunisten freiwillig als politisches Aushängeschild diente. Beispielhaft beschreibt sie die politischen Biografien von vier dieser „Konvertiten“, darunter auch die des bis 1951 amtierenden Ministerpräsidenten von Mecklenburg, Wilhelm Höcker, sowie von Carl Moltmann, der erst mecklenburgischer SPD-Landesvorsitzender und dann paritätischer Vorsitzender der dortigen SED war. Simowitsch zeigt, dass die Hinwendung zu den Kommunisten nicht erst unter dem Druck der sowjetischen Besatzungsmacht einsetzte. Die zumindest gedankliche bzw. ideologische „Konversion“ vollzog sich teilweise schon während der Weimarer Republik, meist aber während der Zeit des Nationalsozialismus. Einige Sozialdemokraten hätten unter dem Eindruck der Diktatur die eigene politische Vergangenheit negativ interpretiert und die Zukunft in einer Zusammenarbeit mit den Kommunisten gesehen. Neben diesen ideologischen Motiven benennt die Autorin im Falle Moltmanns auch persönliche materielle Interessen. Auf jeden Fall aber seien die Kennzeichen der Sozialdemokratie – Sozialismus und freiheitliche Demokratie – von den vier vorgestellten Politikern schon vor der Zwangsvereinigung missachtet worden. Eventuelle Vorhaben, auch innerhalb der SED eine sozialdemokratische Tradition aufrechtzuerhalten, hätten sich zudem schon bald als unmöglich erwiesen. Die Kommunisten hätten die Sozialdemokraten von Anfang an nur als Repräsentationsfiguren benutzt, um ihre politische Legitimität zu erhöhen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 | 2.311 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Solveig Simowitsch: "... Werden als Wortbrüchige in die Geschichte der SPD eingehen ..." Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25951--werden-als-wortbruechige-in-die-geschichte-der-spd-eingehen-_30173, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30173
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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