/ 21.06.2013
Mika Ojakangas
A Philosophy of Concrete Life. Carl Schmitt and the Political Thought of Late Modernity
Bern u. a.: Peter Lang 2006 (Berner Reihe philosophischer Studien 35); 225 S.; 2., überarb. Aufl.; pb., 45,50 €; ISBN 978-3-03910-963-0Ojakangas ist weniger daran interessiert, Schmitt systematisch vorzustellen oder seine Arbeiten in einen (ideen)geschichtlichen Kontext einzuordnen. Er will ihn stattdessen als Klassiker des politischen Denkens interpretieren, den metaphysischen Kern seiner Schriften bestimmen und diesen mit dem metaphysischen Bild der späten Moderne vergleichen. Schmitt wird dabei als ein Philosoph des Extremen interpretiert, für den jede Ordnung das Ergebnis einer Entscheidung ist, die in einer konkreten Situation getroffen wird. Metaphysik bedeutet hier nicht mehr universalistische Abstraktion, sondern die situative Infragestellung der bestehenden Ordnung durch ein rational nicht völlig erfassbares Ereignis. Das Metaphysische ist bei Schmitt kein intellektuelles, sondern ein ekstatisch erlebtes Ereignis. Die grundlegende und paradox erscheinende politische Einsicht Schmitts lautet, dass jede profane Ordnung zwar eine innere Rationalität entwickelt, sich ihr Ursprung aber einer vernunftgemäßen Erfassung aufgrund des Ereignischarakters ihres Ursprungs entzieht. Eine solche Position, die Schmitt attraktiv für den politischen Diskurs der späten Moderne (Arendt, Foucault, Bataille und Derrida) macht, erklärt auch dessen notwendiges Interesse an Mythen – ein Interesse, das er mit zahlreichen neueren (politischen) Philosophien teilt.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Mika Ojakangas: A Philosophy of Concrete Life. Bern u. a.: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26432-a-philosophy-of-concrete-life_30801, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30801
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
CC-BY-NC-SA