/ 20.06.2013
Rolf Surmann
Abgegoltene Schuld? Über den Widerspruch zwischen entschädigungspolitischem Schlussstrich und interventionistischer Menschenrechtspolitik
Hamburg/Münster: Unrast 2005 (reihe antifaschistischer texte); 189 S.; brosch., 16,- €; ISBN 3-89771-816-2Die NS-Verbrechen, zu deren Symbol Auschwitz geworden ist, sind nur unzureichend aufgearbeitet worden, so lautet die dem Buch zugrunde liegende These. Zwar habe man sich schon relativ bald nach Gründung der Bundesrepublik auf der symbolischen Ebene (u. a. bei offiziellen Anlässen oder auf Gedenktagen) vom NS-Regime distanziert und seine Schuld anerkannt. Zugleich seien allerdings alle konkreten Ansprüche der Opfer auf Entschädigung und Rehabilitierung sowie Maßnahmen zur Verfolgung der Täter soweit wie möglich abgeblockt worden. In letzter Zeit ließe sich auch eine zunehmende Relativierung der NS-Verbrechen beobachten. Außerdem sei die Tendenz erkennbar, die deutschen Opfer des NS-Regimes verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken zu wollen. Weiterhin finde eine so genannte „Europäisierung“ der Schuld und die Förderung einer „europäischen Erinnerungskultur“ statt. Alle diese Maßnahmen führten im Ergebnis dazu, dass die deutsche Schuld relativiert werde. Die teils journalistischen, teils wissenschaftlichen Texte beleuchten und belegen diese Auffassung aus unterschiedlichen Perspektiven. Im Mittelpunkt steht dabei die Betrachtung der NS-Militärjustiz. Die in dem Sammelband versammelten Beiträge wurden zwischen 2000 und 2005 verfasst und sind sämtlich bereits anderweitig publiziert worden.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.35 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Rolf Surmann: Abgegoltene Schuld? Hamburg/Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23686-abgegoltene-schuld_27212, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27212
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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