/ 22.06.2013
Jürgen Bellers / Markus Porsche-Ludwig
Achsenzeiten – Mythos und Zukunft der Geschichte. Ein ideen- und geistesgeschichtlicher Überblick von Aristoteles bis Heidegger
Berlin: Lit 2010 (Zeitdiagnosen 20); 174 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-643-10509-7Karl Jaspers hat in seinem bedeutenden Werk „Vom Ursprung und Ziel der Geschichte“ den Begriff der Achsenzeit eingeführt, unter den er all jene geistigen und technologischen Entwicklungen fasst, die eine Wende der Menschheit hin zu höherer Selbst-Bewusstwerdung, Vernunft und Metaphysik beschreiben. Gleichzeitig wird nach Ansicht Jaspers mithilfe der Reflexionsfähigkeit des Menschen mythisches Denken verdrängt. In ihrem Buch stellen Bellers und Porsche-Ludwig nun zunächst Jaspers Achsenzeit und deren mehr oder weniger parallel, aber unabhängig voneinander verlaufende Entwicklung in den Kulturkreisen vor, um sodann die Achsenzeit weiterzuentwickeln. In einer zweiten, von den Autoren identifizierten und sich hauptsächlich auf Europa beschränkenden Achsenzeit (ab etwa 1500) sei insbesondere die technische Metaphysik im Denken bedeutender Theoretiker dominant. Die zweite Achsenzeit analysieren die Autoren insbesondere aus der Sicht Heideggers, der die metaphysische Wendung als illegitime Herrschaft über die Welt ansah. Darüber hinaus erahnen Bellers und Porsche-Ludwig eine dritte Achsenzeit, die in Richtung einer nachmetaphysischen Epoche tendiere und von Heideggers Denken (und also auch einer mythischen Wiederkehr) geprägt sei. Diese dritte Achsenzeit wird zunächst mithilfe eines Dialogs zwischen Porsche-Ludwig und Bellers beschrieben, in dem Bellers unter anderem von einigen persönlichen Erfahrungen (religiöse Vision, Konfessionswechsel, Krankheiten etc) berichtet, um sich daraufhin als einen christlich-theologischen Wissenschaftler zu bezeichnen. Sowohl Wissenschaft als auch Glaube, so Bellers, gehören zwingend zusammen. Daraus leitet er aber auch ab: „Irdische Identität ist immer totalitär.“ [sic!] (121). Anschließend folgt eine gut 40-seitige Darstellung von Heideggers Denken. Porsche-Ludwig beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit Heidegger, Bellers bekennt sich im Gespräch mit seinem Co-Autoren zu ganz ähnlichen Ansichten. So verwundert es auch nicht, dass nur mithilfe von Heidegger und einer nachmetaphysischen Wende „Wege aus der Gefahr“ (171 f.) gefunden werden können.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 5.1 | 5.3
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Jürgen Bellers / Markus Porsche-Ludwig: Achsenzeiten – Mythos und Zukunft der Geschichte. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33281-achsenzeiten--mythos-und-zukunft-der-geschichte_39800, veröffentlicht am 01.03.2011.
Buch-Nr.: 39800
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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