/ 18.06.2013
Lorenz Jäger
Adorno. Eine politische Biographie
München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003; 319 S.; geb., 22,90 €; ISBN 3-421-05493-2Von den drei großen, zum Adorno-Jahr erschienenen Biografien ist diese sowohl sprachlich als auch in ihrer Anlage die lesbarste. Jäger bemüht sich darum, die Entwicklung Adornos durchgängig auf einen zeitgeschichtlichen Hintergrund zu beziehen. Vielleicht ist dabei das Prädikat „politisch" etwas zu ambitioniert, denn was Jäger unternimmt, ist eher die Demonstration einer immer auch vorhandenen Abhängigkeit der Reflexionen Adornos von makro- oder mikropolitischen Kontexten als eine substanzielle Auseinandersetzung mit deren politischem Gehalt. Ohne eine Linearität der biografischen Entwicklung zu unterstellen, orientiert sich der Autor an den wesentlichen Stationen dieser Lebensgeschichte. Dabei entwirft er ein Bild, das hauptsächlich durch die Art der Darstellung - und nur an wenigen Stellen explizit - die historische Gebundenheit des Porträtierten hervorhebt. Anspielend auf Ereignisse in Adornos Geburtsjahr, die für den Biografen die frühe (industrielle) Moderne symbolisieren, heißt es auf den einleitenden Seiten: „Was ist Adornos Werk, wenn nicht der Versuch, es mit der Konstellation des Jahres 1903 als Philosoph aufzunehmen, sie in allen ihren Möglichkeiten durchzuspielen, sie normativ zu rechtfertigen, und am Ende festzustellen, daß diese Konstellation ihre Zeit gehabt hatte, die abgelaufen war? Aber damit auch ein Zeugnis dafür, daß aus der Konstellation seiner Geburt niemand heraustreten kann?" (12) Auch unabhängig von dieser Rahmung und ungeachtet ihrer sprachlichen Qualität hinterlässt die Lektüre zuweilen einen ambivalenten Eindruck. Zwar berücksichtigt Jäger in überzeugender Weise die ästhetische Dimension des Adorno'schen Denkens, aber diese Differenzierung wird stellenweise aufgegeben zugunsten unnötig apodiktischer Urteile, etwa hinsichtlich Adornos Verwendung marxistischer Kategorien, seiner Verknüpfung von Gesellschaftstheorie und Psychoanalyse oder seiner Auseinandersetzung mit der empirischen Sozialforschung.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Lorenz Jäger: Adorno. München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19857-adorno_23114, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23114
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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