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/ 18.06.2013
Stefan Müller-Doohm

Adorno. Eine Biographie

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2003; 1.032 S.; 36,90 €; ISBN 3-518-58378-6
Zum 100. Geburtstag eines großen Denkers eine Biografie zu schreiben, bedarf eigentlich keiner Rechtfertigung. Bei Adorno liegt der Fall ein wenig anders. Der Protagonist der Frankfurter Schule hat sich nicht nur skeptisch gegenüber einer biografischen Erschließung philosophischer Werke gezeigt, sondern bei einem polarisierenden Denker wie Adorno scheint es auch besonders schwierig, weder in enthusiastisches Epigonentum zu verfallen, noch in kritisch-polemischer Distanz zu verharren. Müller-Doohm ist diese Gratwanderung gelungen. In seiner literarisch anspruchsvoll geschriebenen, jedoch - was in der Adorno-Literatur nicht selbstverständlich ist - vom Sprachduktus des Philosophen Abstand wahrenden, exzellent recherchierten und bis zur letzten Seite spannenden Arbeit gelingt es dem Autor, Biografie und Denken miteinander zu verknüpfen, ohne dem Leser eine durch den biografischen Kontext nahe gelegte philosophische Adorno-Interpretation aufzuerlegen. Vielmehr kommt Adorno, für den ein Wesensmerkmal der Philosophie bekanntlich darin bestand, dass sie sich nicht referieren lasse, an wichtigen Stellen selbst zu Wort und die Deutung bleibt dem Leser überlassen. Müller-Doohms Buch ist uneingeschränkt jedem an Adornos Leben und Werk interessierten Leser zu empfehlen, Adorno-Analphabeten ebenso wie Adorno-Experten.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.465.42 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Stefan Müller-Doohm: Adorno. Frankfurt a. M.: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20099-adorno_23409, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23409 Rezension drucken
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