/ 11.06.2013
Karlheinz Barck / Richard Faber (Hrsg.)
Ästhetik des Politischen - Politik des Ästhetischen
Würzburg: Königshausen & Neumann 1999; 289 S.; brosch., 68,- DM; ISBN 3-8260-1745-5Kann das Ästhetische politische Korrekturpotenziale gegenüber der gesellschaftlichen Wirklichkeit bieten, sowohl auf gesamtgesellschaftlicher als auch auf individueller Ebene, ohne sich damit gleichzeitig durch eine Instrumentalisierung selbst in Frage zu stellen? Die Beiträge beleuchten ästhetische Lebens- und Gesellschaftsentwürfe, ausgehend vom Deutschen Idealismus bis hin zu Entwürfen einer ethisch-ästhetischen Lebenskunst in der Philosophie des späten 20. Jahrhunderts, und verdeutlichen aus verschiedensten Blickwinkeln deren prekäre Gratwanderung zwischen konstruktiver Gesellschaftskritik und völkischen Inszenierungen, zwischen individueller Gestaltungsmacht und Rückzug in einen durch Beliebigkeit und Belanglosigkeit gekennzeichneten Lifestyle.
Die Beiträge sind interdisziplinär im besten Sinne, gerade durch die unterschiedlichen Zugänge zum breit angelegten Gesamtthema bieten sich aufschlussreiche Einblicke, wie beispielsweise in den Beiträgen des Japanologen Pörtner oder der Literaturwissenschaftlerin Mainberger.
Inhalt: I. Ästhetik der Soziologie: Peter Pörtner: Die Macht der schönen Formen. Präliminarien zur Sozialästhetik der Gewalt am Beispiel Japan (13-34); Erhard Stölting: Der exemplarische Dandy. Soziologische Aspekte des schönen Scheins (35-55). II. Nationalismus und Faschismus: Justus H. Ulbricht: "Germanisch-Dichterische Monumentalkunst" und "Nordischer Expressionismus" (59-77); Inge Baxmann: Ästhetisierung des Raums und nationale Physis. Zur Kontinuität politischer Ästhetik vom frühen 20. Jahrhundert zum Nationalsozialismus (79-95); Karlheinz Barck: Konjunktionen von Ästhetik und Politik oder Politik des Ästhetischen? (97-118). III. Rückblick auf den deutschen Idealismus: Ernst Müller: "Gerichtsbarkeit bis in die verborgensten Winkel des Herzens". Ästhetische Religiosität als politisches Konzept (Kant - Schiller - Humboldt) (121-135). IV. Ethisch-ästhetische Lebenskunst? Waltraut Naumann-Beyer: Ästhetische Kritik - kritische Ästhetik. Zum Beispiel Herbert Marcuse (137-157); Wilhelm Schmid: Politik und Lebenskunst - im Anschluß an den späten Foucault (159-169); Dieter Kliche: Politische Ironie - ironische Politik. Über Rortys Begriff der Ironie mit gelegentlicher Rücksicht auf Friedrich Schlegel und Sören Kierkegaard (171-197); Cornelia Klinger: Über einige Verschiebungen im Verhältnis von Ethik und Ästhetik in der Gegenwart (199-217). V. Herrschaft und Subversion - in Antike und Moderne: Sabine Mainberger: Zwei Korrektoren und ein Spitzel oder Erzählungen von Eulenaugen, der Farbe Graugelb und einer Schlange, die sich lieber nicht in den Schwanz beißt. Zu Texten von George Steiner, Wolfgang Hilbig und José Saramago (221-236); Eva Cancik-Kirschbaum: Herrschaftsästhetik im Alten Orient (237-247); Richard Faber: Politischer Idyllismus in Antike und Moderne (249-271); Hilmar Frank: Landschaft: Natur und Politik (273-289).
Tanja Pritzlaff (TP)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen.
Rubrizierung: 5.42 | 5.33 | 2.23 | 2.31
Empfohlene Zitierweise: Tanja Pritzlaff, Rezension zu: Karlheinz Barck / Richard Faber (Hrsg.): Ästhetik des Politischen - Politik des Ästhetischen Würzburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10426-aesthetik-des-politischen---politik-des-aesthetischen_12321, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12321
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen.
CC-BY-NC-SA