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/ 21.06.2013
Raffaele Cantone

Allein für die Gerechtigkeit. Ein Leben im Kampf gegen die Camorra. Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Rita Seuß

München: Verlag Antje Kunstmann 2009; 256 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-88897-584-4
Der Autor war von 1999 bis 2007 leitender Staatsanwalt der Antimafia-Behörde in Neapel. Mit diesem Band legt er eine auch stark ins Privatleben reichende Schilderung dieser Berufsjahre vor. Die politischen Aspekte treten hinter den biografischen Aspekten und jenen der staatsanwaltschaftlichen Arbeit zurück. Dabei wird insbesondere der Wandel der Camorra der letzten zehn Jahre deutlich: „Die neue Camorra ist streng hierarchisch organisiert und beherrscht ein ausgedehntes Territorium“ (11). Die Entwicklung des organisierten Verbrechens und der Einfluss der Clans, die auch vor Mord nicht zurückschrecken, führte dazu, dass auch Cantone und seine Familie ein Leben unter Polizeischutz führen mussten. Das ist, so der Autor, jedoch nicht nur eine persönliche Belastung: „Schon jetzt stellen die Schutzmaßnahmen eine enorme personelle und finanzielle Belastung für den Staat dar“ und gerade die Organe der öffentlichen Sicherheit „leiden unter chronischem Personal-, Budget- und Materialmangel“ (45). Gerade auf die Bedeutung der Kronzeugenregelung verweist Cantone in diesem Zusammenhang, denn hinter der Entscheidung eines Mafioso mit der Justiz zusammenzuarbeiten, stehe auch immer ein Kalkül aus Kosten und Nutzen. Die Ausführungen des Autors zur Verquickung zwischen Wirtschaft und organisiertem Verbrechen geben durchaus zu denken, da deutlich wird, dass es starke Vermischungstendenzen bis hinein in zivilgesellschaftliche Kernbereiche gibt. Cantone bezeichnet diese Symbiose als Teufelskreis. Die Unternehmen erwirtschaften Gewinne für die Camorra und garantieren zudem durch die Einstellung von Personal sozialen Konsens: „Dieser soziale Konsens ermöglicht es der Gruppe, mit verbündeten Clans ungestört zu kooperieren und sichere Verstecke für polizeilich gesuchte Mitglieder zu finden“ (138). Daher schließt der Autor auch gegen Ende mit der Erkenntnis, dass sich die Macht der Camorra vielleicht gerade darauf gründet, „Teile der Zivilgesellschaft für sich zu gewinnen, die doch eigentlich – zumindest nach dem Idealbild einer aufgeklärten Gesellschaft – geschlossen auf der Gegenseite stehen sollte“ (247).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.12.612.232.25 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Raffaele Cantone: Allein für die Gerechtigkeit. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31451-allein-fuer-die-gerechtigkeit_37436, veröffentlicht am 15.12.2009. Buch-Nr.: 37436 Rezension drucken
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