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/ 05.06.2013
Albert Speer

"Alles, was ich weiß" Aus unbekannten Geheimdienstprotokollen vom Sommer 1945. Mit einem Bericht "Frauen um Hitler" von Karl Brandt. Hrsg. von Ulrich Schlie

München: Herbig 1999; 320 S.; 44,- DM; ISBN 3-7766-2092-7
Im Sommer 1945 wurde der zuvor von der britischen Armee inhaftierte Speer im amerikanischen Gefangenenlager Kransberg von dem US-Geheimdienstoffizier Hoeffding verhört. Zu diesem Zeitpunkt war die Absicht, Speer im Rahmen des ersten Kriegsverbrecherprozesses in Nürnberg vor Gericht zu stellen, dem Gefangenen noch nicht bekannt. Der Band bietet in der Hauptsache eine Abschrift der Verhörprotokolle, deren englische und deutsche Fassung der Herausgeber im Archiv des Imperial War Museum in London bzw. im Bundesarchiv in Koblenz recherchiert hat. Sie werden erstmals in ganzem Umfang öffentlich zugänglich gemacht. Die Gliederung entspricht, bei abgewandelter Reihenfolge, den drei Themengebieten, auf die sich die Verhöre konzentrierten: 1. Politiker und Politik im nationalsozialistischen Deutschland; 2. Nationalsozialistische Außenpolitik und militärische Führung; 3. Person und Arbeitsweise Adolf Hitlers. Nicht Speers Arbeit als Architekt der NS-Repräsentationsbauten sowie als Rüstungsminister stand im Mittelpunkt der Befragungen, sondern seine Einschätzung der politischen Führung im NS-Staat aus persönlicher Erfahrung und, wenige Wochen nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches", mit nur geringem zeitlichem Abstand zum Erlebten. Die Protokollmitschriften Speers werden ergänzt um den o. g. Bericht von Brandt, der der "Leibarzt" Adolf Hitlers, zugleich Freund und Mithäftling Speers in Kransberg war. Der Bericht ist etwa zur gleichen Zeit wie die Speer-Verhöre und aus ähnlichem Anlaß entstanden. In seinem Beitrag "Albert Speer und das Dritte Reich" bemüht sich der Herausgeber zum Abschluß, eine biographische Skizze der Person mit einer Einordnung Speers in den Kontext der NS-Führungselite zu verbinden, um damit dessen Rolle innerhalb der Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland zu umreißen.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Albert Speer: "Alles, was ich weiß" München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8407-alles-was-ich-weiss_11093, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 11093 Rezension drucken
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