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/ 18.06.2013
Holger Bahl

Als Banker zwischen Ost und West. Zürich als Drehscheibe für deutsch-deutsche Geschäfte

Zürich: Orell Füssli 2002; 173 S.; geb., 24,- €; ISBN 3-280-05015-4
Die deutsch-deutsche Geschichte ist voll von Mauscheleien und Absurditäten, die selbst in einem James-Bond-Film sehr unglaubwürdig wirken würden. Von einigen solchen Episoden handelt das Buch. Der Autor war als deutscher Bankier in der Schweiz mit sehr guten Kontakten in die DDR an vielen Kreditverhandlungen beteiligt, die ihm aufschlussreiche Einblicke nicht nur in die Machtverhältnisse in der DDR, sondern auch in die deutsch-deutsche Politik ermöglichten. Bahl vertritt die These, dass die Bundesregierung schon sehr viel früher deutliche Verbesserungen für die Menschen in Ostdeutschland bis hin zur Schaffung einer Konföderation hätte erreichen können, wenn sie die Chancen, die sich durch das ständig wachsende Kreditbedürfnis der DDR ergaben, genutzt hätte. Das Buch enthält eine Mischung aus Lebenserinnerungen und Darstellung der Kreditverhandlungen mit der DDR in den Achtzigerjahren. Bahl war insbesondere am so genannten "Zürcher Modell" (Kredite gegen die Senkung des Reisealters) beteiligt, einem Projekt, das letztlich scheiterte, weil der von Franz-Josef Strauß und Alexander Schalck-Golodkowski eingefädelte Milliardenkredit alles torpedierte. Bahl schildert die Verhandlungen aus persönlicher Sicht, aber in vielen plastischen Einzelheiten. Die großen Linien der damaligen Ereignisse sind zwar bekannt, aber die unmittelbare Beteiligung Bahls an den Prozessen macht das Buch zu einer interessanten Lektüre.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.222.3142.52.32.62 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Holger Bahl: Als Banker zwischen Ost und West. Zürich: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17606-als-banker-zwischen-ost-und-west_20288, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20288 Rezension drucken
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