/ 18.06.2013
Peter März
An der Spitze der Macht. Kanzlerschaften und Wettbewerber in Deutschland
München: Olzog 2002; 296 S.; hardc., 29,90 €; ISBN 3-7892-8085-2März, stellvertretender Direktor der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, vergleicht Kanzlerschaften in der Bundesrepublik mit denen der Weimarer Republik und des Kaiserreichs. Welche Rolle spielen persönliche Faktoren, in welcher Wechselwirkung stehen sie zum jeweiligen institutionellen Rahmen? Naturgemäß fallen die starke "narrative Momente" (7) aufweisenden Darstellungen von 135 Jahren Kanzlerschaft in Deutschland eher skizzenhaft aus. Der Schwerpunkt des Bandes liegt auf der Bundesrepublik. Die Darlegungen zum Kaiserreich und zur Weimarer Republik beschränken sich auf Grundlinien, anhand derer elementare Kontinuitäten und Unterschiede aufgezeigt werden. Alle Kanzler nach 1949 werden in politischen (Kurz-)Biografien positiv, aber keineswegs unkritisch gewürdigt. Dabei bezieht März immer auch das internationale und insbesondere das deutschlandpolitische Umfeld ausführlich mit ein, wobei sich allgemeine Fakten und Details in nicht immer ganz nachvollziehbarer Weise abwechseln. Die Herausforderer werden jeweils auf wenigen Seiten abgehandelt. März' Bewertungen, z. B. zur Unterschiedlichkeit der Persönlichkeiten, zur Bedeutung bestimmter historischer Umstände oder global zu Kontinuitäten und Brüchen in der Geschichte der Bundesrepublik und ihrer politischen Führer sind regelmäßig zutreffend auf den Punkt gebracht - sie sind aber auch durchweg nicht neu.
Der Band ist nicht politikwissenschaftlich im engeren Sinne, sondern primär (zeit-)geschichtlich orientiert. Hier liegt auch sein eigentlicher Wert: Er bietet, aufgehängt an der politischen Figur des Bundeskanzlers, die politische Zeitgeschichte der Bundesrepublik im Schnellgang aus sehr unaufgeregter, vernünftig ausgewogener Perspektive. In Informationsauswahl und Bewertung scheint allerdings insgesamt eine gewisse Nähe zur Union durch. Besonders empfehlenswert erscheint der Band für Schüler der gymnasialen Oberstufe, für Studienanfänger oder den Bereich der politischen Bildung. Insbesondere in den ersten Kapiteln erschwert ein etwas verquaster, essayistischer Stil mit zum Teil sehr langen Schachtelsätzen die Lesbarkeit. Ein sehr gutes Personenregister erlaubt die gezielte Recherche.
Aus dem Inhalt: II. Der Reichskanzler/Bundeskanzler als Verfassungsfigur; III. Kanzlerschaften im Kaiserreich und in der Weimarer Republik; IV. Die Kanzlerdemokratie: 1. Die beiden konstruktiven Mißtrauensvoten 1972 und 1982, 2. Bundeskanzler und ihre Partei; 3. Internationale Rahmenbedingungen; 4. Macht von Amt und Person; 5. Profilierung durch außenpolitische Schlüsselszenen. V. Exponenten: 1. Herkunft und Milieu; 2. Konrad Adenauer; 3. Ludwig Erhard; 4. Kurt Georg Kiesinger; 5. Willy Brandt; 6. Helmut Schmidt; 7. Helmut Kohl; 8. Gerhard Schröder. VI. Wettbewerber: 1. Die SPD: von Schumacher bis Schmidt; 2. Konstellationen in der Union; 3. Das SPD-Angebot in der Ära Kohl; 4. Zur Justierung von Persönlichkeit und Lage. VII. Führungsangebot aus der anderen staatlichen Ebene: 1. Prominente Beispiele; 2. Gestärkte konstitutive Stellung des Länderpremiers; 3. Aufgabenspektrum und Gestaltungsmöglichkeiten auf Landesebene.
Andreas Beckmann (AB)
M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.31 | 2.322
Empfohlene Zitierweise: Andreas Beckmann, Rezension zu: Peter März: An der Spitze der Macht. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17252-an-der-spitze-der-macht_19848, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19848
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M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
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