/ 21.06.2013
Klaus-Peter Saalbach
Analyse der Wirkung des technischen Wandels auf die Politik am Beispiel der Gen- und Biotechnologie
Osnabrück: Verlag Dirk Koentopp 2008; VI, 433 S.; pb., 28,60 €; ISBN 978-3-938342-14-2Die Gen- und Biotechnologie ist ein hochkontroverses Politikfeld, ihre technischen und wirtschaftlichen Potenziale sowie die mit ihr verbundenen Risiken und sensiblen Fragen sozialer und ethischer Natur stehen vermehrt im Blickpunkt der Politik- und Sozialwissenschaften. Der Autor analysiert, wie der technische Wandel von den politischen Akteuren verarbeitet wird. Dafür werden drei Bereiche der Biotechnologie unterschieden: die auf Menschen und Tiere bezogene „rote“ Biotechnologie, die agrarische „grüne“ Biotechnologie und die Stammzellentechnologie. Saalbach folgt der Frage, warum die Entwicklungen dieser Teilbereiche zu derart unterschiedlichen Diskursen und Wahrnehmungen geführt haben, obwohl alle Anwendungen im Wesentlichen auf einer einheitlichen Basis fußen, nämlich dem Eingriff in die DNA. Der Autor identifiziert in der Diskursentwicklung verschiedene Phasen und legt dar, dass diese wiederum zu einer Auseinanderentwicklung des Verbändewesens geführt haben. Besondere Aufmerksamkeit wird den Zulassungsbehörden EMEA und EFSA in der EU und der FDA in den USA zuteil, die zunehmend nicht mehr nur verwalten oder vollziehen, sondern das Forschungsgeschehen aktiv zu steuern bemüht sind. Die drei Ausdifferenzierungen der Biotechnologie werden von Saalbach also in einem europäisch-amerikanischen Vergleich untersucht. Für die EU stellt der Autor fest: „Der Versuch der EU, über die Felder Recht, Ethik und Kultur einen normativen Überbau zu errichten, bedürfte dringend einer politikwissenschaftlichen Analyse“ (123). Zudem könne die EFSA im Falle der grünen Biotechnologiepolitik gentechnisch veränderte Pflanzen gegen den Willen der Nationalstaaten auf den Markt bringen, was der Autor „unter Demokratie- und Legitimationsgesichtspunkten nicht unproblematisch“ (6) findet. Zum Teil anders als bei der roten Biotechnologie, zeigt der europäisch-amerikanische Vergleich, dass der grünen Biotechnologie „nicht allein der technische Wandel, sondern die Wahrnehmung der Technologie maßgeblich für das Verhalten der Akteure war“ (289).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.263 | 2.343 | 4.43 | 3.5 | 2.64 | 2.32
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Klaus-Peter Saalbach: Analyse der Wirkung des technischen Wandels auf die Politik am Beispiel der Gen- und Biotechnologie Osnabrück: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30104-analyse-der-wirkung-des-technischen-wandels-auf-die-politik-am-beispiel-der-gen--und-biotechnologie_35690, veröffentlicht am 20.01.2009.
Buch-Nr.: 35690
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA