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/ 05.06.2013
Günter Servais

Arbeit, Vernunft, Glück. Die Freiheitskonzeption des frühen Herbert Marcuse

Frankfurt a. M.: Haag + Herchen Verlag 1998; 199 S.; pb., 45,- DM; ISBN 3-86137-709-8
Diss. Kassel. - Servais bemüht sich in seiner Monographie um eine Rekonstruktion der Philosophie Marcuses im Zeitraum von 1922 bis 1948, in dem Marcuse sich vom Junghegelianer über das Studium der Heideggerschen Ontologie zum freudo-marxistischen Vertreter der Frankfurter Schule entwickelt habe. Während das Nachkriegswerk Brüche aufweise und "heterogen strukturiert" (187) sei, lasse sich dem Werk bis 1941 eine relative Geschlossenheit attestieren. Die Krise der revolutionären Bewegung in Europa widerspiegelnd, habe sich das Frühwerk auf der Basis eines freudianisch revidierten Marxismus stets um die positive Begründung, darin von Adorno unterschieden, einer kritischen Gesellschaftstheorie bemüht - einer Theorie also, die auf der marxschen Analyse der Arbeit aufbaut und einen gesellschaftlichen Zustand erstrebt, der auf vernünftiger Basis Glück ermögliche: so ließe sich der im Titel verbürgte Anspruch interpretieren. Daß der Autor Marcuse in keiner Weise gerecht wird, zeigt indes schon die Einleitung, in der Servais am Schreibstil Marcuses beklagt, daß er "massenweise [sic!] philosophische Termini" (10) verwende, was bei einem Philosophen eigentlich kaum verwundern kann. Nicht nur das kaum 50 Aufsätze umfassende Verzeichnis der Sekundärliteratur, sondern ebenso die häufig etwas fragwürdige Verwendung philosophischer Begriffe (etwa des Existentialismus im Kontext der marcuseschen Faschismusanalyse [147 ff.]) deuten auf die Probleme der Arbeit Servais' hin. Es bleibt ebenso unklar, wieso die Philosophie der Frankfurter Schule als "polemische, provisorische Form des Kantianismus" (23) gedeutet wird, wie es befremdlich erscheint, auf Horkheimers und Adornos "Dialektik der Aufklärung" als idealtypische Repräsentation der philosophischen Vernunftgläubigkeit zu verweisen, ohne den ambivalenten Vernunftbegriff der Dialektiker mindestens anzudeuten. Auch der methodische Anspruch einer "immanenten Kritik" (27) wird verfehlt. Wo die Einschübe "Kritik und Einschätzung" ihrem Titel gerecht werden, tragen sie allenfalls bekannte Vorwürfe an die Schriften Marcuses von außen heran, sind nichts weniger als immanent aus dem Werk entwickelt. Ein schlampiges Layout, eine Fülle von Rechtschreibfehlern und Formulierungsschwächen runden das Bild der Arbeit ab.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Günter Servais: Arbeit, Vernunft, Glück. Frankfurt a. M.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7627-arbeit-vernunft-glueck_10131, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10131 Rezension drucken
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