Skip to main content
/ 20.06.2013
Michael Kittner

Arbeitskampf. Geschichte, Recht, Gegenwart

München: C. H. Beck 2005; XXIV, 783 S.; Ln., 39,90 €; ISBN 3-406-53580-1
Der Arbeitskampf ist nach Auffassung Kittners mehr als ein Verteilungskonflikt, der sich auf die Forderung nach mehr Lohn beschränkt. Er wirke sich vielmehr auf gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge aus und sei aufgrund seiner Öffentlichkeitswirksamkeit „immer auch ein Politikum im elementaren Sinne“ (1). Zugleich lasse sich der Arbeitskampf als „getreues Spiegelbild der politischen Kräfteverhältnisse“ (2) interpretieren, schreibt Kittner, der Professor für Wirtschafts‑, Arbeits‑ und Sozialrecht in Kassel sowie 25 Jahre lang Justitiar der IG Metall war. Mit dieser Perspektive ist der rote Faden definiert, an dem entlang er die Geschichte des Arbeitskampfes und des Arbeitskampfrechts erzählt. Nach einem einleitenden Exkurs über die erste dokumentierte Arbeitsniederlegung im alten Ägypten stellt Kittner die deutsche Entwicklung in den Mittelpunkt, ergänzt durch Vergleiche vor allem mit Frankreich und Großbritannien. Die ideellen Grundlagen für das Streben nach Selbstverwirklichung durch Arbeit wie auch für den Anspruch auf eine arbeitsfreie Zeit findet der Autor im Alten Testament. Die eigentliche Chronik beginnt mit der Zunftverfassung, dem ersten deutschen Streik 1329 in Breslau sowie der Feststellung, dass in jener Zeit die Arbeitgeber und damit das Kapital an einem Ort verharrten, während mit der Gesellenbewegung der „Faktor Arbeit“ der flexible war – im Gegensatz zu heute. Kittner spannt den Bogen bis zur DDR und den 50 Jahren Arbeitskämpfe in der Bundesrepublik, aktuelle Themen sind dann Warnstreik und Aussperrung. Erkenntnis leitend sind für ihn die Fragen nach überzeitlichen Handlungsmustern und dem historischen Kontext. Am Ende zieht Kittner ein pessimistisches Fazit. Zwar gebe es in der EU sogar Unternehmer, die an einem sozial regulierten Kapitalismus interessiert seien. Aber im gegenwärtigen Kapitalismus, in dem nur der Unternehmensgewinn zähle, sei kein Platz für eine Idee des „gerechten Lohns“. Möglicherweise werde man feststellen, dass „Tarifautonomie und gewerkschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten im Kapitalismus nur als ‚Schönwetterveranstaltungen’ geduldet werden“ (722).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312.32.3312.222.61 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Michael Kittner: Arbeitskampf. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24463-arbeitskampf_28248, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28248 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA