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/ 11.06.2013
Jürgen Schupp / Felix Büchel / Martin Diewald / Roland Habich (Hrsg.)

Arbeitsmarktstatistik zwischen Realität und Fiktion

Berlin: edition sigma 1998; 340 S.; 39,- DM; ISBN 3-89404-183-8
Das sogenannte "Normalarbeitsverhältnis" - also die lebenslange Vollzeitbeschäftigung in einem etablierten Berufsfeld - verschwindet zusehends, an seine Stelle tritt eine kaum zu überschauende Vielfalt flexibler Arbeitszeitformen, geringfügiger Beschäftigung, unterschiedlicher Formen von Selbständigkeit usw. Diese neue Erwerbsrealität mutet nicht nur den Erwerbspersonen einiges zu, sie wirft seit längerem schon die Frage auf, ob die amtliche Statistik über hinreichend valide Daten verfügt, um die Dynamik des Beschäftigungssystems abbilden zu können. (Dass sowohl Wirtschafts- und Arbeitsmarktforschung als auch einschlägige Fachpolitiker auf verlässliche und zugleich relevante Informationen angewiesen sind, versteht sich von selbst.) Mit diesen Fragen befasste sich die erste - 1997 veranstaltete - Konferenz der Längsschnitt-Werkstatt Berlin-Brandenburg, ein Zusammenschluss universitärer und außeruniversitärer Einrichtungen (Freie Universität, Humboldt-Universität, Technische Universität, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Wissenschaftszentrum, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung - alle Berlin - sowie die Universität Potsdam und die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder). Die Beiträge des ersten Teils greifen wichtige Defizite der amtlichen Statistik auf (17 ff.) und die des zweiten Teils versuchen bisher unzureichend erfasste Erwerbsstrukturen quantitativ zu beleuchten (85 ff.). Der dritte Teil diskutiert exemplarisch Konsequenzen der Erhebungsprobleme (257 ff.) und mündet in knappe Empfehlungen zur arbeitsmarktstatistischen Infrastruktur (333 ff.). Inhalt: Gert Wagner: Der Längsschnitt-Werkstatt Berlin-Brandenburg zum Geleit (9-10); Felix Büchel / Martin Diewald / Roland Habich / Jürgen Schupp: Arbeitsmarktstatistik zwischen Realität und Fiktion - zur Genese einer unbefriedigenden Situation: Einleitung (11-13). Nutzen und Mißbrauch von Arbeitsmarktstatistik: Christof Schares: Anforderungen der Wirtschaftspolitik an die Arbeitsmarktstatistik - Erfahrungen aus der wirtschaftpolitischen Beratung (17-29); Gernot Weißhuhn: Kritik am bestehenden Instrumentarium der Arbeitsmarktstatistik (31-39); Hans-Peter Klös / Karl Lichtblau: Möglichkeiten und Grenzen internationaler Querschnittvergleiche im Bereich Arbeitsmarkt (41-75); Gustav-Adolf Horn / Bernhard Seidel: Kommentar zu Klös und Lichtblau - Möglichkeiten und Grenzen internationaler Querschnittvergleiche im Bereich Arbeitsmarkt (77 -82). Zwischen "drinnen" und "draußen" - Erwerbsstrukturen jenseits der statistischen Normalität: Jürgen Schupp / Johannes Schwarze / Gert Wagner: Methodische Probleme und neue empirische Ergebnisse der Messung geringfügiger Beschäftigung (85-111); Felix Büchel: Unterwertig Erwerbstätige - Eine von der amtlichen Statistik übersehene Problemgruppe des Arbeitsmarktes (113-129); Hans Dietrich: Möglichkeiten und Grenzen der empirischen Erfassung von "Scheinselbständigkeit" (131-165); Harald Bielenski: Befristete Beschäftigung (167-181); Esther Schröder: Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland - Entwicklung der gesetzlichen Regulierung und der empirischen Bedeutung (183-209); Elke Holst: Zur Bedeutung, Erfassung und Dynamik der Stillen Reserve - Ein alternatives Konzept auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (211-233); Johann Fuchs: Das Konzept der Stillen Reserve des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (235-254). Der "normale" Arbeitnehmer: Gibt es ihn noch? Florian Schramm: Die Rolle der Arbeitsmarktstatistik für Personalpolitik und Personalforschung (257-267); Martin Diewald / Dirk Konietzka: Beschäftigungsverhältnisse und die Analyse von Arbeitsmarktprozessen in den 90er Jahren - Probleme der Messung von Karrieremobilität in einer sich verändernden Arbeitswelt (269 -298); Edeltraud Hoffmann / Ulrich Walwei: Das Arbeitsverhältnis aus Sicht der Rechtsökonomie und der Arbeitsmarktprognostik (299-331); Gustav-Adolf Horn / Gert Wagner: Statt einer Zusammenfassung: Einige Überlegungen zur Organisation der statistischen Infrastruktur (333-338).
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2622.3421.2 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Jürgen Schupp / Felix Büchel / Martin Diewald / Roland Habich (Hrsg.): Arbeitsmarktstatistik zwischen Realität und Fiktion Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9796-arbeitsmarktstatistik-zwischen-realitaet-und-fiktion_11553, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11553 Rezension drucken
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