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/ 20.06.2013
Gerhard Beil

Außenhandel und Politik. Ein Minister erinnert sich

Berlin: edition ost 2010; 287 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-360-01805-2
So ließ es sich sicher mit der DDR aushalten – Beil, seit 1956 im Außenhandel tätig und 1986 sogar zum Minister aufgestiegen, war immer unterwegs: 1963 ein Besuch auf der Akropolis, 1981 einmal Platz nehmen im Cockpit eines Space Shuttles in Houston, dazwischen sechs Wochen Aufenthalt in Frankreich und viele Reisen, bis nach Australien. So mancher DDR-Bürger, dem er nachträglich mit diesem Buch noch einmal versucht, die sozialistische Diktatur schönzureden, hätte vor 1989 sicher gerne mit ihm getauscht. Der ehemalige Minister präsentiert holzschnittartig die Entwicklungen der Außenbeziehungen der DDR als Erfolgsgeschichte, garniert mit stereotypen ideologischen Erklärungsmustern. Das anhaltende Unvermögen, eine differenzierte Sicht einzunehmen, zeigt sich schon auf den ersten Seiten, als Beil Goebbels und Churchill auf eine Stufe stellt. Da verwundert es geradezu, dass Beil dann doch rund um den Globus lauter gute Kapitalisten traf, die bereit waren, mit der DDR Geschäfte zu machen – er beschreibt dies, als ob es ein Akt der ideologischen Unterstützung gewesen wäre. Abgesehen von den noch immer und immer wieder unerträglichen politischen Floskeln ist das Buch aber vor allem gefüllt von langweiligen Auflistungen von Handels- und Staatsreisen sowie der Industrieanlagen, die eingekauft wurden. Im Fazit ist diese Bilanz ohne erhellende Aussage, über die Interna der Außenhandelsbeziehungen der DDR erfährt man nichts.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Gerhard Beil: Außenhandel und Politik. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21713-aussenhandel-und-politik_37670, veröffentlicht am 09.06.2010. Buch-Nr.: 37670 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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