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/ 11.06.2013
Madeleine Grawitz

Bakunin. Ein Leben für die Freiheit. Aus dem Französischen übersetzt von Andreas Löhrer

Hamburg: Edition Nautilus 1999; 558 S.; geb., 68,- DM; ISBN 3-89401-339-7
Die Autorin dieser erstmals 1990 in Frankreich erschienenen Biographie ist Professorin für Politikwissenschaft an der Pariser Sorbonne. Ihre mit viel Sympathie für den Gegenstand geschriebene Arbeit (sie trägt das Motto "Der Freiheit gewidmet!") verfolgt das Leben Bakunins mit Liebe zum Detail und mit ausführlichen Schilderungen auch der Nebenpersonen und historisch-politischen Begleitumstände. Ein Kernstück ist das dramatisch betitelte Kapitel "Marx gegen Bakunin: der letzte Kampf" (413), in dem die finsteren Machenschaften von Marx in ein gebührend dunkles Licht gestellt werden. Dies alles läßt vermuten, daß die schön und flüssig übersetzte Biographie bis auf weiteres das moderne Standardwerk für das Leben Bakunins sein wird. Da liegt das Verdienst, da liegt aber auch die Grenze des Buches. Denn eine systematische Analyse des Denkens Bakunins hat Grawitz nicht durchgeführt, offenbar auch nicht durchführen wollen. Natürlich kommen die anarchistischen Schriften immer wieder vor, aber sie spielen nicht die Hauptrolle. Das ist bedauerlich, denn eine mit gleichem Scharfsinn wie der Rest des Buches durchgeführte ideengeschichtliche Ausrichtung hätte ein noch größeres Desiderat erfüllt. Gleichwohl, mit dieser Einschränkung, bleibt der Band eine große Biographie.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Madeleine Grawitz: Bakunin. Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10554-bakunin_12478, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12478 Rezension drucken
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