/ 18.06.2013
Axel Honneth (Hrsg.)
Befreiung aus der Mündigkeit. Paradoxien des gegenwärtigen Kapitalismus
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2002 (Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie 1); 254 S.; kart., 24,90 €; ISBN 3-593-37080-8Die „Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie" sind eine Fortsetzung der 1971 eingestellten Schriftenreihe „Frankfurter Beiträge zur Soziologie" des Instituts für Sozialforschung unter veränderten theoriepolitischen Vorzeichen. Mit dem zunächst gewiss befremdlichen Titel spielt dieser erste Band auf die zutiefst irritierenden gesellschaftlichen Tendenzen an, in denen normative Fortschritte unlösbar mit regressiven Elementen durchsetzt scheinen. Erfahrungen dieser Art werden von Sozialwissenschaftlern ganz unterschiedlicher theoretischer Orientierung mit den Begriffen der „Ambivalenz" oder der „Paradoxie" belegt. Wenn jedoch Autoren, die sich der Kritischen Theorie zurechnen, „Paradoxien kapitalistischer Modernisierung" als übergreifendes Thema der künftigen Institutsarbeit aufgreifen (10), dann darf der Paradoxiebegriff nicht - wie vielfach üblich - aus einer neutralen Beobachterperspektive verwendet werden. Schon angesichts der verbreiteten „intellektuellen Orientierungslosigkeit" (8) - befördert durch einen Prozess blinder Professionalisierung, der „im unverbindlichen Nebeneinander von spezialisierten Einzeluntersuchungen seinen Ausdruck findet" (7) - gilt es, an dem normativen Orientierungspunkt einer unverzerrten Mündigkeit festzuhalten. Auch ohne die von der älteren Kritischen Theorie reklamierte „Voraussetzung einer einheitlichen Gesellschaftstheorie" (11) wollen die Autoren „an exemplarischen Fällen prüfen und skizzieren, inwiefern heute unter dem Druck einer beschleunigten ‚Modernisierung' des Kapitalismus mit einer wachsenden Tendenz des Umschlags von Freiheiten in Zwänge, von moralischen Normen in Legitimationsfassaden, von Autonomie in Entmündigungen zu rechnen ist" (12).
Aus dem Inhalt:
Werner Plumpe:
Rationalität und Risiko: zum historischen Charakter der modernen Wirtschaft (13-33)
Hermann Kocyba / Wilhelm Schumm:
Begrenzte Rationalität - entgrenzte Ökonomie. Arbeit zwischen Betrieb und Markt (35-64)
Stephan Voswinkel:
Bewunderung ohne Würdigung? Paradoxien der Anerkennung doppelt subjektivierter Arbeit (65-92)
Sighard Neckel / Kai Dröge:
Die Verdienste und ihr Preis: Leistung in der Marktgesellschaft (93-116)
Klaus Günther:
Zwischen Ermächtigung und Disziplinierung. Verantwortung im gegenwärtigen Kapitalismus (117-139)
Axel Honneth:
Organisierte Selbstverwirklichung. Paradoxien der Individualisierung (141-158)
Martin Dornes:
Frisst die Emanzipation ihre Kinder? Mütterliche Berufstätigkeit und kindliche Entwicklung (159-193)
Volker Heins:
Globalisierung und soziales Leid. Bedingungen und Grenzen humanitärer Politik (195-220)
Martin Hartmann:
Widersprüche, Ambivalenzen, Paradoxien - Begriffliche Wandlungen in der neueren Gesellschaftstheorie (221-251)
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Axel Honneth (Hrsg.): Befreiung aus der Mündigkeit. Frankfurt a. M./New York: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20370-befreiung-aus-der-muendigkeit_23738, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23738
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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