/ 21.06.2013
Christian Hiebaum
Bekenntnis und Interesse. Essay über den Ernst in der Politik
Berlin: Akademie Verlag 2008; 226 S.; 49,80 €; ISBN 978-3-05-004455-2Der Autor unternimmt einen lustvollen Ritt durch die Landschaft der politischen Theorie und der weiteren Philosophie. In bester Tradition der Textgattung greift er mit Mut zur Pointe und Meinung Gedanken von John Rawls, Robert Pfaller, Niklas Luhmann, Derrida, Spinoza, Searle, Judith Butler und anderen auf, um sein vorsichtig apostrophiertes „Unbehagen in der postmodernen Kultur“ (10) zum Ausdruck zu bringen. Hiebaum kritisiert, dass in der Politik oftmals geheuchelt, strategisch argumentiert und höchst selektiv moralisiert wird. Daraus resultiere eine berechenbare Phraseologie, die erheblich zur Politikverdrossenheit beitrage. Diesen einleitenden Befund hält der Autor noch für trivial, für fatal hingegen sieht er das daraus abgeleitete Verhalten eines metapolitischen Skeptizismus an, der schlicht ein Arrangement mit der Wirklichkeit empfiehlt und politische Positionen nur als Ausdruck partikularer Interessen zu verstehen mahnt. Denn der Hauptfeind dieser Position, so Hiebaum, sei der Dogmatismus und wer sich heute zu einer Wahrheit in der Politik bekenne, mache sich dessen sofort verdächtig. Zwar möchte der Autor auch nicht dem Dogmatismus das Wort reden, hingegen einem Objektivismus durchaus. Dieser sei gegen den Vorwurf des Puritanismus und der Intoleranz zu verteidigen. Im Anschluss versucht Hiebaum die Moralität gegen das Interesse in Stellung zu bringen, indem er Letzteres problematisiert und drei Thesen zu seinem Verständnis des Objektivismus formuliert. Erstens könnten Werturteile und Urteile über die inhaltliche Richtigkeit von Normen objektiv wahr oder falsch sein. Zweitens sei die Orientierung der Akteure an dem, was sie für objektive Werte und Normen halten, auch in der Politik prinzipiell gut. Und letztlich bedürfe es zu einer angemessenen Bestimmung individueller Interessen einer Vorstellung vom objektiv guten Leben. Politischer Ernst und Objektivismus seien auf keine „allzu extravaganten ontologischen Annahmen angewiesen“ (197).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Christian Hiebaum: Bekenntnis und Interesse. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29099-bekenntnis-und-interesse_34379, veröffentlicht am 25.11.2008.
Buch-Nr.: 34379
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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