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/ 22.06.2013
Christoph Brüll

Belgien im Nachkriegsdeutschland. Besatzung, Annäherung, Ausgleich (1944-1958)

Essen: Klartext 2009; 437 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-8375-0252-7
Diss. Jena; Gutachter: N. Frei, T. Kroll. – Die Zeitspanne von nur elf Jahren, die zwischen dem Kriegsende und der Unterzeichnung des deutsch-belgischen Ausgleichsvertrags liege, sei, so der Historiker Brüll, im Vergleich zur Dauer der Bemühungen um eine Aussöhnung zwischen Deutschland und den Niederlanden sowie Frankreich kurz. Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und seinem kleinen Nachbarn Belgien gehörten seit der Gründung der Bundesrepublik zu den engsten in Westeuropa. Die Weichen hierfür seien im Untersuchungszeitraum dieser Studie gestellt worden, der sich auf die Zeit von der Besatzung bis zum Ende des Ratifizierungsprozesses erstrecke. Daher sei es umso bemerkenswerter, dass diese schnelle Versöhnung „nur auf gewundenen Wegen“ (383) zustande gekommen sei. Brüll beschäftigt sich mit der Bewältigung der Kriegsfolgen zwischen Belgien und Deutschland; die wirtschaftlichen und territorialen Reparationsforderungen Belgiens bilden dabei den Leitfaden der Darstellung. Neben der Analyse der politischen Entscheidungen konzentriert er sich besonders auf die Situation der betroffenen Bevölkerung im deutsch-belgischen Grenzraum. Im Jahrzehnt nach dem Kriegsende hätten weniger Argumente wie Vergebung und Versöhnung im Mittelpunkt des Dialoges gestanden als die vor dem Hintergrund des Kalten Krieges zu verstehende „Einsicht in die Notwendigkeit westeuropäischer Annäherung“ (382). Das Vertrauen der belgischen Seite sei vor allem an die Einstellungen einzelner Akteure geknüpft gewesen. So habe Adenauer als Garant für den Kurs der Westintegration gegolten. Dass die neue Grenzziehung der alten weitestgehend entsprach und akzeptiert wurde, habe für eine neue Basis der deutsch-belgischen Beziehungen gesprochen und die Einsicht, dass die Grenze nach zwei kriegerischen Auseinandersetzungen „keinen Anlass für überzogene politische Sensibilitäten“ (382) mehr darstellte. Der Wille, es besser zu machen als in der jüngsten Vergangenheit, und die Einsicht, es aufgrund der Wahrnehmung des Ost-West-Konfliktes besser machen zu müssen, seien auf beiden Seiten vorhanden gewesen, resümiert Brüll.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.24.214.222.612.313 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Christoph Brüll: Belgien im Nachkriegsdeutschland. Essen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32156-belgien-im-nachkriegsdeutschland_38354, veröffentlicht am 17.06.2010. Buch-Nr.: 38354 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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