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/ 05.06.2013
Karl Schlögel

Berlin. Ostbahnhof Europas. Russen und Deutsche in ihrem Jahrhundert

Berlin: Siedler Verlag 1998; 368 S.; Ln., 68,- DM; ISBN 3-88680-600-6
Der Autor, Essayist und Osteuropahistoriker an der Europa-Universität Viadrina, hat nach einigen früheren Arbeiten, die sich bereits mit Aspekten der deutsch-russischen Beziehungen beschäftigten, nun ein Werk vorgelegt, das das politische, militärische, soziale und kulturelle Verhältnis der beiden Staaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beleuchtet. Als Zentrum seiner Untersuchung, in dem sich die relevanten Entwicklungen beispielhaft widerspiegeln, dient ihm die Stadt Berlin: "Geschichte findet nicht im luftleeren Raum statt. Geschichte hat einen Ort. Berlin ist der Raum, wo die deutschen und die russischen Wege sich kreuzen" (11 f.). Anknüpfend an die deutsch-russische Zivilisationsnormalität vor Beginn des Ersten Weltkriegs entwickelt Schlögel in seinem Werk, dem die essayistische Ausrichtung des Autors angenehm anzumerken ist, wie sich diese kulturelle Nähe und Dichte im Zeitraum von 1914 bis 1945 zunehmend aufzulösen beginnt. Zugleich sucht er nach dem verbliebenen Netzwerk von deutsch-russischen Verbindungen und verknüpft unterschiedliche Facetten, Mosaiksteine und Biographien zu historischen Zusammenhängen und Ereignisketten. Zwar stehen die einzelnen Aspekte und damit Kapitel für sich, aber der Autor betont die historischen Linien, die zwischen ihnen existieren. So entsteht ein dichtes Bild der "Abwicklung und Überwältigung des neunzehnten Jahrhunderts" (14) in den deutsch-russischen Beziehungen. Ein nützliches Personenregister erleichtert dabei die Orientierung. Inhaltsübersicht: I. Berlin, russische Stadt; II. Asien beginnt am Schlesischen Bahnhof; III. Eydtkuhnen oder Die Genese des Eisernen Vorhangs; IV. Harry Graf Kessler und die Russen; V. Sankt Petersburg am Wittenbergplatz: Eine Hauptstadt im Jahrhundert der Flüchtlinge; VI. Unter den Linden 7 - Sowjetische Botschaft Berlin; VII. Global Village Komintern; VIII. Stadtwahrnehmung: Nabokov und die Taxifahrer; IX. Nikolai Krestinski und Graf von der Schulenburg: Diplomatie als Verrat; X. Radeks Salon in Moabit; XI. Simon Dubnows Berliner Tagebuch; XII. In einer "Landschaft des Verrats": Das unterirdische Berlin; XIII. "Raum" als Schicksal: Die Internationale der Geopolitik; XIV. A star was born: Anastasia; XV. Die Intimität der Generäle: Deutsch-sowjetische Militärbeziehungen; XVI. Von der Vergeblichkeit eines Professorenlebens: Otto Hoetzsch und die deutsche Rußlandkunde
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.312.62 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Karl Schlögel: Berlin. Ostbahnhof Europas. Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6788-berlin-ostbahnhof-europas_9128, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9128 Rezension drucken
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