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/ 05.06.2013
Wolfgang Dreßen (Hrsg.)

Betrifft: "Aktion 3" Deutsche verwerten jüdische Nachbarn. Dokumente zur Arisierung ausgewählt und kommentiert von Wolfgang Dreßen

Berlin: Aufbau-Verlag 1998; 253 S.; brosch., 39,90 DM; ISBN 3-351-02487-8
Der Band erscheint als Katalog zu einer Wanderausstellung gleichen Titels, die erstmals 1998 in Düsseldorf gezeigt wurde. Er dokumentiert Aktenbestände der Oberfinanzdirektion Köln, deren Gegenstand sogenannte Arisierungsverfahren aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 sind, zum Teil ergänzt um deren Fortsetzung aufgrund von Rückgabe- bzw. Entschädigungsansprüchen einzelner Betroffener nach 1945. "Der größte Teil der Akten ist bis heute gesperrt. Die hier vorgelegten Dokumente stammen aus der Oberfinanzdirektion Köln. Die Einsichtnahme war erst nach langen Bemühungen möglich und ist gesetzlich nicht gedeckt" (11). Ihre gewaltsamen Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung verschleierte die Bürokratie des NS-Staates mit Namen wie "Aktion 3", was nichts anderes bedeutete als die gewaltsame Deportation der Juden in Ghettos und Konzentrationslager. Mit der Deportation geht ein bisher wenig erforschtes Kapitel der Geschichte der Judenvernichtung einher: Die Aneignung jüdischen Eigentums aus ganz Europa durch deutsche "Volks- und Parteigenossen" aus allen Gesellschaftsschichten. Im Gegensatz zu den Taten der Wehrmacht und der SS handelte es sich dabei um "Verwaltungsakte", bei deren Durchführung durchweg auf die "Rechtmäßigkeit" des Verfahrens geachtet wurde. Die Nutznießer der sogenannten Arisierung glaubten sich im Recht, denn Verkauf und Erwerb der beschlagnahmten Güter wurden vom Staat organisiert und erhielten damit den Anschein der Legalität. Die Habe der Juden wurde, so der Herausgeber in der Einleitung, in der Überzeugung erworben und genutzt, daß deren frühere Besitzer nie wieder einen Anspruch darauf erheben könnten. Die Akten werden größtenteils faksimiliert wiedergegeben und kommentiert. Die Einleitung ordnet die Quellen historisch ein und diskutiert außerdem die Frage der "Wiedergutmachung". Dabei wird insbesondere die personelle Kontinuität deutlich, in der eine Verwaltungsinstanz wie z. B. die Oberfinanzdirektion Köln nicht nur die "Arisierung" durchführte, sondern auch deren sporadische Rückgängigmachung bearbeitete und damit praktisch die eigene Beteiligung an der gewaltsamen Enteignung der jüdischen Bevölkerung bürokratisch decken konnte.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.3122.313 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Wolfgang Dreßen (Hrsg.): Betrifft: "Aktion 3" Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7903-betrifft-aktion-3_10477, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 10477 Rezension drucken
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