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/ 04.06.2013
Erhard Geißler

Biologische Waffen - nicht in Hitlers Arsenalen. Biologische und Toxin-Kampfmittel in Deutschland von 1915 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Ernst Ulrich von Weizsäcker

Münster: Lit 1998 (Studien zur Friedensforschung 13); IV, 881 S.; geb., 89,80 DM; ISBN 3-8258-2955-3
Hat Deutschland an biologischen Waffen geforscht, sie produziert? Hat sie Hitler zum Einsatz bringen wollen? Die Geschichte der Forschung an biologischen Waffen zeigt, daß es keinerlei moralische Bedenken gegeben hätte, diese Waffen zum Einsatz zu bringen. Einzig Zweckmäßigkeitsüberlegungen haben die Kriegführenden beider Seiten im Zweiten Weltkrieg an ihrem Einsatz gehindert. Geißler - Professor für Genetik, Leiter der Arbeitsgruppe Bioethische Forschung am Max-Delbrück-Centrum in Berlin-Buch und Konsultant des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) - zeigt detailliert und anschaulich, daß zwar die Deutschen seit 1915 mit dem Problem beschäftigt waren, aber vom militärischen Standpunkt aus war das Interesse mäßig. Das hat Hitler-Deutschland nicht daran gehindert, die Forschungen zu intensivieren. Sie standen einerseits unter der Voraussetzung: "Wenn der Gegner biologische Waffen besitzt, dann braucht man sie auch"; andererseits: "Wie sollte man sich gegen sie schützen, wenn man sie nicht kennt?" So gering der Stellenwert der einzelnen Forschungen im Zweiten Weltkrieg auch gewesen sein mag, er ist Ausgangspunkt für eine weitreichende Forschung und Produktion von biologischen Waffen, wie sich etwa am Beispiel des Irak zeigte. Ähnlich wie in der Raketenforschung waren die deutschen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Molekularbiologie und der sich entwickelnden Genforschung gesuchte Fachleute, und es ist nicht verwunderlich, daß sie bei den Nürnberger Prozessen nicht auf der Anklagebank saßen. Inhalt: 1. Milzbrandbomben auf dem Kurfürstendamm; 2. Der Kaiser selbst hatte den Einsatz verboten; 3. Nur gegen Pferde?; 4. "Macht der Feind von diesem Mittel Gebrauch"; 5. Bakteriologische Kriegsführung wird verboten; 6. Bahnhof Friedrichstraße als Koordinationspunkt; 7. "Milzbrandsporen sind am besten geeignet"; 8. Von Frankreich lernen; 9. Das Mordkomplott gegen Strasser; 10. Blitzableiter wegen Führer-Verbot; 11. Die Blome-Connection - viel Lärm um nichts; 12. Mit Fallschirmspringern gegen Panjepferde?; 13. Von Kartoffelkäfern und Graseulen; 14. Wurde Himmler hinters Licht geführt?; 15. Krebsforschung - nicht nur zur Tarnung; 16. Ein Fliegenzimmer für uneinsichtige SS-Führer; 17. Keine "delikaten" Arbeiten auf der Sachsenburg; 18. Unkrautsamen als letzte Kampfreserve?; 19. Die Japaner haben immer "gemauert"; 20. Was waren Hitlers Motive?; 21. Die Geheimdienste irrten fast immer; 22. Die Jagd auf die Spezialisten; 23. Das Schweigen von Nürnberg; 24. Sind wir noch zu retten?
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.31 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Erhard Geißler: Biologische Waffen - nicht in Hitlers Arsenalen. Münster: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6192-biologische-waffen---nicht-in-hitlers-arsenalen_8417, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8417 Rezension drucken
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