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/ 21.06.2013
Manfred Spieker (Hrsg.)

Biopolitik. Probleme des Lebensschutzes in der Demokratie

Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2009; 290 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-506-76722-6
Biopolitik ist ein schillernder Begriff, der in unterschiedlichsten Kontexten für völlig verschiedene Politikbereiche verwandt wird. In diesem Band geht es um „Probleme des Lebensschutzes in der Demokratie“. Konservativen Grundpositionen wird breiter Raum zugestanden. Zentrale Themen des Buches, das aus einer Ringvorlesung an der Universität Osnabrück entstanden ist, sind die Debatten um Stammzellenforschung, Präimplantationsdiagnostik sowie die Patientenverfügung, die durchweg eine erhebliche ethische Dimension haben. Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung warnt davor, Behinderte durch Präimplantationsdiagnostik, Stammzellenforschung oder Sterbehilfe zu diskriminieren. Politik, Kirchen, Verbände und Wissenschaft seien aufgerufen, „Grenzlinien zu erkennen und zu benennen, [...] die nicht überschritten werden dürfen, wenn es um den Schutz grundrechtlicher Garantien wie der Menschenwürde geht“ (195). Eberhard Schockenhoff analysiert die Rolle des Ethikrates und die „Möglichkeit ethischer Politikberatung“, Jörg-Dietrich Hoppe und Marlis Hübner informieren aus Sicht der Bundesärztekammer über „Verheißungen, Enttäuschungen und Tabus in der Stammzellenforschung“ (105), Christian Hillgruber beleuchtet das Thema aus verfassungsrechtlicher Sicht. Mit Boris Greber und Hans Schöler kommen auch zwei Koryphäen der Stammzellenforschung mit fundierten Erklärungen zu Wort. Die politischen Debatten, die quer durch die Fraktionen gehen, werden von Hubert Hüppe, Priska Hinz, Wolfgang Wodarg und Carl-Ludwig Thiele kursorisch-sachlich dargestellt. Es geht in der Diskussion aber auch um klassische Fragen wie Schwangerschaftsabbruch und Euthanasie. „Wann beginnt der Mensch Person zu sein?“ fragt Robert Spaemann und antwortet, nicht erst mit der Nidation (46). Konsequente Positionen beziehen Bischof Reinhard Marx für die katholische und Wilfried Härle für die evangelischen Kirche. Schwachpunkte des Buchs sind polemische Darstellungen aus den Reihen fundamentaler Abtreibungsgegner.
Armin König (AK)
Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
Rubrizierung: 2.2632.3432.352.3312.23 Empfohlene Zitierweise: Armin König, Rezension zu: Manfred Spieker (Hrsg.): Biopolitik. Paderborn u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30404-biopolitik_36094, veröffentlicht am 05.08.2009. Buch-Nr.: 36094 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA