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/ 05.06.2013
Johannes Willms

Bismarck. Dämon der Deutschen. Anmerkungen zu einer Legende

München: Knaur 1999; 347 S.; 16,90 DM; ISBN 3-426-77423-2
Für Willms ist das heutige Bismarck–Bild eine nationale Legende. Um diese zu entlarven, versucht der Autor die Geschichte gegen den Strich zu bürsten: Bismarck war keineswegs der vorausschauende, geschickt agierende Politiker, und schon gar nicht hat er die deutsche Reichsgründung als ideales politisches Ziel vor Augen gehabt, zumindest nicht so, wie es seine Zeitgenossen sahen, wie er es selbst in seinen Erinnerungen darstellte, und wie es schließlich die seine Person in ein nationales Pathos tauchenden Lebensdarstellungen bis 1945 beschrieben. Statt dessen ist der Bismarck in Willms Interpretation ein mitunter zynischer, zutiefst machiavellistisch denkender Politiker, der es trefflich verstand, seine politischen Vorstellungen den Zeitströmungen anzupassen, um so seine eigene Position zu sichern. In den "Anmerkungen" zeigt der Autor keinen fremden Bismarck, denn die Bismarck-Forschung hat gerade in den letzten Jahren das Bild des Eisernen Kanzlers revidiert. Dennoch sind Willms Analysen nicht nur interessant zu lesen, sondern zeigen auch, wie Geschichte aus politischen Gründen umgedeutet werden kann. Einerseits versuchte es schon Bismarck selbst, und andererseits taten es erst recht nachfolgende Politiker, wenn sie sich auf ihn beriefen, um wie auch immer geartete nationale Ziele durchzusetzen.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.311 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Johannes Willms: Bismarck. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7987-bismarck_10580, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10580 Rezension drucken
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