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/ 18.06.2013
Sebastian Simsch

Blinde Ohnmacht. Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund zwischen Diktatur und Gesellschaft in der DDR 1945 bis 1963

Aachen: Shaker Verlag 2002 (Berichte aus der Geschichtswissenschaft); X, 303 S.; geb., 49,80 €; ISBN 3-8322-0216-1
Diss. Berlin; Gutachter: J. Kocka, K. Jarausch. - Die größte Massenorganisation der DDR, der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB), hatte einen extrem hohen Organisationsgrad, dennoch wird er oft als bloßes Anhängsel der SED betrachtet und dementsprechend selten untersucht. Allerdings haben und hatten die deutschen Gewerkschaften traditionell wesentliche politische Funktionen, die weit über die "eigentliche" gewerkschaftliche Arbeit hinausgingen; dies gilt bereits in der Weimarer Republik. Vor diesem historischen Hintergrund fragt der Autor nach der Funktion des FDGB im gesamten politischen System der DDR. Um diese Frage zu beantworten, analysiert Simsch vornehmlich die sehr umfangreichen internen Dokumente und Unterlagen der Gewerkschaft wie Sitzungsprotokolle, Korrespondenz usw. Er kommt dabei u. a. zu dem Ergebnis, dass der FDGB eine Art Nische zwischen SED auf der einen und der Gesellschaft auf der anderen Seite besetzte und darüber systemstabilisierende Wirkungen entfalten konnte, weil er die Energie und Kreativität politisch engagierter Menschen zu binden und - aufgrund von aufwändigen und wenig produktiven Dauersitzungen und anderen Organisationsaktivitäten - auch zu absorbieren vermochte. Inhaltsübersicht: 1. Die Ohnmacht des FDGB im Betrieb 1945-1953; 2. Die Funktionäre 1945-1955; 3. Blindheit der überbetrieblichen FDGB-Organisation 1945-1952; 4. Juni 1953 und die Folgen.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Sebastian Simsch: Blinde Ohnmacht. Aachen: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17898-blinde-ohnmacht_20654, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20654 Rezension drucken
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