/ 21.06.2013
Richard von Weizsäcker
Brüder Stauffenberg
Göttingen: Wallstein Verlag 2009 (Stuttgarter Stauffenberg-Gedächnisvorlesung 2006); 17 S.; brosch., 5,90 €; ISBN 978-3-8353-0578-6Der schmale Band enthält eine Rede des ehemaligen Bundespräsidenten, die dieser anlässlich der Eröffnung der Stauffenberg-Erinnerungsstätte im November 2006 im Stuttgarter Neuen Schloss hielt. In seinen Schilderungen des Lebenswegs der Brüder bezieht von Weizsäcker sich vor allem auf die charakterliche und kulturelle Prägung von Berthold und Claus Schenk Graf zu Stauffenberg, denn „in den entscheidenden Punkten sind sie charakteristisch für diesen Widerstand“ (8). Nicht in einer Kadettenanstalt, sondern auf dem allgemein zugänglichen Eberhard-Karls-Gymnasium in Stuttgart erzogen, habe nicht die soziale Herkunft, sondern die Persönlichkeit im Zentrum gestanden. In ihrer Freizeit musizierten und lasen sie viel und gehörten sogar dem Kreis um den Dichter Stefan George an. Durch die Lektüre von dessen Gedichten, einige davon unter dem Titel „Geheimes Deutschland“, hätten die Brüder in einer geistigen Tradition gestanden, die zu Schiller und Hölderlin zurückreiche. Diese hatten „in ihrer eigenen Zeit deutscher Not von einem geheimen geistigen Reich“ (11) gesprochen. Eine zunächst gewisse Offenheit für „einige wichtige verkündete Grundideen“ (12) der neuen Machthaber – welche das sind, wird vom Autor nicht ausgeführt – verwandelten sich bald in Ablehnung. Schließlich waren es neben der Ansicht, vor „aller Welt und vor der Geschichte […] den entscheidenden Wurf“ (6) gewagt zu haben, vor allem die Erkenntnisse über die Massenmorde im rückwärtigen Heeresgebiet, die dem jüngeren Stauffenberg „zum unumstößlichen Anstoß für ein Attentat“ (14) wurden. Weizsäcker betont abschließend, dass keine gesellschaftliche Institution, keine Berufsgruppe oder soziale Schicht den Widerstand gegen Hitler getragen habe; es sei das Gefühl der „höchstpersönlichen Verantwortung“ (17) gewesen. Gleichwohl kommt in dieser Schilderung der Brüder das Element des Elitebewusstseins zu kurz.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Richard von Weizsäcker: Brüder Stauffenberg Göttingen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31836-brueder-stauffenberg_37958, veröffentlicht am 16.03.2010.
Buch-Nr.: 37958
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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