/ 05.06.2013
Peter Schröder
Christian Thomasius zur Einführung
Hamburg: Junius 1999 (Zur Einführung 197); 180 S.; brosch., 12,68 €; ISBN 3-88506-997-0Thomasius ist ein Denker des Übergangs, der heute nicht gebührend gewürdigt wird, auch wenn es durchaus in seinem Werk Gründe dafür gibt, die es zum größeren Teil obsolet werden ließen. So ungefähr ließe sich das Fazit eines in sich widersprüchlichen Lebens wiedergeben, das Schröder in seiner handlichen Monographie zieht. Einerseits ist Thomasius der Vorreiter des Deutschen als Wissenschafts- und Universitätssprache, der damit zu einem wichtigen frühen Repräsentanten der Aufklärung wird. Sein Kampf gegen klerikale Bevormundung und das Unwesen der Hexenprozesse führen zu einem Plädoyer für religiöse Toleranz innerhalb der Grenzen des Staates. Aber hier liegt eben auch das "andererseits", denn Thomasius hat keine Probleme damit, seine Überlegungen zu den natürlichen Menschenrechten mit einer faktischen Unterwerfung unter eine absolutistische Fürstengewalt zu verbinden, die in seinem Denken nur durch die sittliche Reife der Herrschaft gemildert werden kann. Schröder arbeitet diese Widersprüche heraus, und wenn auch seiner Einschätzung nach Thomasius nicht zu den Größten der Ideengeschichte gezählt werden kann, bleibt ihm doch eine wichtige Vorbereiterfunktion, von der auch die späteren Aufklärer noch profitierten - allerdings oftmals, ohne den Ursprung zu kennen, auf den sie sich beriefen.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.32
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Peter Schröder: Christian Thomasius zur Einführung Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8120-christian-thomasius-zur-einfuehrung_10728, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10728
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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