/ 22.06.2013
Renate Mayntz (Hrsg.)
Crisis and Control. Institutional Change in Financial Market Regulation
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2012 (Schriften aus dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung 75); 299 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-593-39671-2Die Finanzkrise der Jahre 2007/2008 erschütterte viele Demokratien nahezu ausnahmslos bis ins Mark. Dies nehmen die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes zum Anlass, nach den Auswirkungen eines solchen „big bang“ (11) auf die Mechanismen institutionellen Wandels (hier weniger bezogen auf die Finanzmärkte an sich, sondern vielmehr auf ihre politische Regulierung) zu fragen. In fünf Länderstudien (USA, GB, Frankreich, Deutschland, Schweiz) und sechs weiteren Beiträgen, die sich auf die europäische und internationale Ebene beziehen, werden zunächst die bestehenden Regulationsmechanismen zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Krise dargestellt, bevor im Detail Umfang und Ausmaß der Reformen sowie die beteiligten Interessen und Akteure analysiert werden. Die Beiträge orientieren sich an einer Reihe gemeinsamer Fragestellungen, folgen aber weder einer vorgegebenen Struktur noch einem einheitlichen theoretischen Ansatz. Trotzdem lassen sich im Vergleich einige interessante (obgleich oftmals wenig überraschende) Grundmuster der Krisenbearbeitung in Europa und den USA erkennen. Die spannendste Frage ist dabei jedoch weniger die nach den Mechanismen des institutionellen Wandels, der tatsächlich stattgefunden hat, sondern die, warum trotz der massiven Erschütterung der globalen Ökonomie der anfangs oft geforderte radikale Wandel größtenteils ausgeblieben ist. Hier lassen sich keine endgültigen Schlüsse für eine Theorie institutionellen Wandels ziehen. Die Beiträge zeigen aber u. a., dass nicht zuletzt das Krisenmanagement und das daraus resultierende Ausbleiben des befürchteten wirtschaftlichen Kollapses die Kräfteverhältnisse partiell wieder zugunsten der Gegner radikaler Reformen verschoben. Die Komplexität der Finanzmärkte, die von kaum einem der beteiligten Politiker verstanden wurde, erleichterte es Verfechtern einer weitgehend unregulierten Finanzbranche, vor den negativen Folgen von Regulierung für die Wettbewerbsfähigkeit zu warnen und damit an einer tief verankerten Kultur des Marktglaubens anzuknüpfen. Zudem spielten sich die Prozesse der Krisenbearbeitung primär auf der nationalen Ebene (was in krassem Gegensatz zur frühen Charakterisierung der Krise als global steht) ab. Alles in allem bietet der Band eine gelungene Bestandsaufnahme, wobei naturgemäß zahlreiche Fragen ausgeklammert werden, die für die weitere Forschung interessant sein dürften. Hier wäre vor allem der Einbezug weiterer (etwa osteuropäischer oder Entwicklungs-) Länder wie auch eine verstärkte Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Staaten, Akteuren und Interessengruppen zu nennen.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.43 | 2.21 | 2.263 | 2.343 | 3.5 | 2.61 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Renate Mayntz (Hrsg.): Crisis and Control. Frankfurt a. M./New York: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35187-crisis-and-control_42368, veröffentlicht am 15.11.2012.
Buch-Nr.: 42368
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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