/ 20.06.2013
Tobias Blanke
Das Böse in der politischen Theorie. Die Furcht vor der Freiheit bei Kant, Hegel und vielen anderen
Bielefeld: transcript 2006 (Edition Moderne Postmoderne); 227 S.; kart., 25,80 €; ISBN 978-3-89942-465-2Politikwiss. Diss. FU Berlin. – Wer keine ganze Bibliothek zu einem Thema vorfindet, ruft sogleich „theoretisches Neuland“ aus (8). Doch auch das Böse in der politischen Philosophie kennt Meister, mit denen (statt über die) der Autor diskutieren möchte. Kant und Hegel stehen im Vordergrund, um die herum Platon, Augustinus und Leibniz sowie Nietzsche und dann Machiavelli, Hobbes und Weber sowie Rousseau gruppiert werden. Der Ausgangspunkt ist das Böse als Grund, die Freiheit der Einzelnen mit Politik zu konfrontieren. Die menschliche Freiheit schafft auf der anderen (kantischen) Seite erst die Möglichkeit des Bösen. So hängen das Gute und das Böse zusammen und voneinander ab. Auf einen Advocatus diaboli kann die Arbeit verzichten, in Eichmann findet sie Diabolum; nach Arendt steht er für die Banalität des Bösen. Die These des Autors verleiht der Auseinandersetzung Spannung: Gerade die Banalität, aber auch Eichmanns Idealismus ohne Gewissensbisse, der die Bosheit gar nicht erkennt, sprenge die herkömmlichen, der Aufklärung verpflichteten Ansätze. Deren Moralismus gegenüber dem Bösen sei grundsätzlich überholt, und es bedürfe eines eminent politischen Vorgehens, das aber gerade nicht auf die Beherrschten hoffen kann: die Volksgemeinschaft habe das kollektive Böse vorgelebt. Ein Anfang wäre gemacht, wenn die Welt nicht weiter in Gut und Böse eingeteilt, sondern die Allgegenwärtigkeit des Bösen anerkannt würde. Der aphoristische Stil, der zur gedanklichen Zuspitzung aber auch Vereinfachung passt, der Hang zu Nominalismen usw. erschweren die Lektüre und vielleicht auch das Reflektieren, denn manches Unheil („das Böse“) schafft ja, wie man seit Wittgenstein weiss, erst der Sprachbenutzer.
Guido Koch (GK)
Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
Rubrizierung: 5.3 | 5.31 | 5.33
Empfohlene Zitierweise: Guido Koch, Rezension zu: Tobias Blanke: Das Böse in der politischen Theorie. Bielefeld: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21818-das-boese-in-der-politischen-theorie_29660, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29660
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Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
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