Skip to main content
/ 20.06.2013
Konrad H. Jarausch (Hrsg.)

Das Ende der Zuversicht? Die siebziger Jahre als Geschichte

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2008; 362 S.; kart., 29,90 €; ISBN 978-3-525-36153-5
Das Denken in Dekaden erfreut sich nicht nur in Themenshows und Musiksendungen im Fernsehen großer Beliebtheit. Auch in der sozialwissenschaftlichen Analyse bieten solche ebenso klaren wie überschaubaren Zeitfenster interessante Einsichten. Zehn Jahre sind einerseits lang genug, um Stile zu prägen, Strukturen zu bilden und insgesamt einen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Wandel abzubilden. Andererseits sind sie kurz genug, um eine individuelle Erinnerung und Wiedererkennung zu ermöglichen. Nicht zuletzt dieser Umstand macht den auch wissenschaftlichen Reiz aus, von den 50er-, 60er- oder – auch für Zeithistoriker noch kaum zur Geschichte zu zählenden – 70erJahren zu sprechen. Verfolgt wird in diesem Sammelband kein rein historisierendes Interesse, die 70er-Jahre werden vor allem als „Vorgeschichte der Probleme der Gegenwart“ gedeutet, wie der Titel des einleitenden Beitrags verspricht. Die Autoren verbinden Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit Alltags- und Politikgeschichte und bieten so einen vielschichtigen Einblick in ein Jahrzehnt, das als „weiche Zäsur“ rekonstruiert werden kann, „in der sich die Richtung vieler Entwicklungen deutlich veränderte“. Auch wenn viele verklärende und übertriebene Rückblicke unzutreffend und wohl vor allem der individuellen Deutung geschuldet seien, schreibt der Herausgeber, „die Umkehrung wichtiger Trendlinien wie das Ende des Nachkriegsbooms oder das Einsetzen des Geburtenrückgangs [sind] eindeutig zu belegen.“ (23) Ebenso ließen sich individualisierende Veränderungen der Wertvorstellungen und Verhaltensweisen vor allem bei gebildeten Jugendlichen unzweifelhaft nachweisen. Angekündigt habe sich eine neue Problemkonstellation, die nicht mehr durch die Katastrophen der Weltkriege bestimmt gewesen sei, sondern durch die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Der Band geht auf eine gemeinsame Konferenz des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam im Sommer 2007 zurück.
Rainer Benthin (RB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Soziologie, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3132.314 Empfohlene Zitierweise: Rainer Benthin, Rezension zu: Konrad H. Jarausch (Hrsg.): Das Ende der Zuversicht? Göttingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21879-das-ende-der-zuversicht_35023, veröffentlicht am 03.12.2008. Buch-Nr.: 35023 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA