/ 19.06.2013
Ivan Nagel
Das Falschwörterbuch. Krieg und Lüge am Jahrhundertbeginn
Berlin: Berliner Taschenbuch Verlag 2004; 139 S.; 7,50 €; ISBN 3-8333-0105-8Der schmale Band enthält im Wesentlichen politische Stellungnahmen, die der ehemalige Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg zwischen 2001 und 2004 in verschiedenen deutschen Tageszeitungen bzw. in Form von Vorträgen und Reden abgegeben hat. Es sind teils polemisch formulierte, aber immer engagiert vorgetragene Einwürfe gegen den Irak-Krieg, gegen die Bush-Regierung mitsamt ihrer „stur-tollkühnen, konfliktgierigen Amtsführung" (15) und gegen das „Neusprech" in der Politik, mit dem seiner Meinung nach Lügen kaschiert werden, die Angriffskriege vorbereiten sollen. So würden Kriegsvorbereitungen zur bloßen „Drohkulisse", Angriff heiße plötzlich „Entwaffnung" (39), Angriffskriege würden „Vorbeugung" genannt (40) und Kriegsgefangene zu „feindlichen Kombattanten" (41) umdefiniert. Nagel urteilt hart und prägnant, seine Polemik schießt auch mitunter über das Ziel hinaus. Anregend sind seine Texte jedoch allemal. Am stärksten ist er aber in den Beiträgen, die am wenigsten Meinungscharakter tragen: der Laudatio anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Susan Sontag im Jahre 2003 und seinen Reflexionen zum Thema Attentat und Euthanasie, in denen Nagel sich u. a. mit dem Märtyrertod in historischer und philosophischer Perspektive beschäftigt.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.1 | 4.22 | 4.41 | 2.23 | 2.63 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Ivan Nagel: Das Falschwörterbuch. Berlin: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21207-das-falschwoerterbuch_24743, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24743
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M. A., Politikwissenschaftler.
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