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/ 21.06.2013
Daniel Niemetz

Das feldgraue Erbe. Die Wehrmachtseinflüsse im Militär der SBZ/DDR. Hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt

Berlin: Ch. Links Verlag 2006 (Militärgeschichte der DDR 13); X, 345 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-86153-421-1
Es ist kaum vorstellbar, dass die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR und deren Vorgängerin, die Kasernierte Volkspolizei (KVP), als militärisches Rückgrat des „ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden“ nicht nur bewusst an Wehrmachtstraditionen anknüpfte, sondern auch ehemaligen Wehrmachtsangehörigen den Weg in die neuen Streitkräfte ebnete. Auf der anderen Seite fehlte es dem jungen DDR-Staat noch weitgehend an gut ausgebildeten und politisch „einwandfreien“ militärischen Kadern, sodass man beim Aufbau der KVP/NVA auf die „Ehemaligen“ angewiesen war. Eine entscheidende Rolle kam dabei der sowjetischen Führung zu, welche die Rekrutierung ehemaliger Wehmachtsangehöriger für die KVP/NVA befürwortete und bereits in der Kriegsgefangenschaft „geeignete“ Kandidaten auf ihre spätere Verwendung in der Heimat vorbereitete. So konnten einige ideologisch geläuterte Ex-Wehrmachtoffiziere schon kurz nach Kriegsende in die SBZ zurückkehren und dort in hochrangige Positionen der KVP aufsteigen. Der Einfluss der ehemaligen Wehrmachtsoffiziere in der NVA endete abrupt infolge der Ereignisse in Ungarn und Polen 1956, welche den politischen Führungen in Moskau und Ost-Berlin die Gefahr einer Durchsetzung der Volksarmeen mit „Ehemaligen“ vor Augen führte. Bis zum Ende der 50er-Jahre wurden so die meisten Ex-Wehrmachtsoffiziere entlassen oder in weniger bedeutende Stellungen der NVA versetzt. Der Einfluss „Ehemaliger“ in der NVA setzte sich jedoch auch in der Folge fort. Nun waren es die ehemaligen Unteroffiziers- und Mannschaftsdienstgrade der Wehrmacht, die in Führungspositionen der NVA vordrangen und den Führungsstil („Barrasmanier“) innerhalb der Streitkräfte für Jahrzehnte prägen sollten. Neben dieser Ereignisgeschichte werden in der Arbeit auch Details wie die beabsichtigte Ähnlichkeit der NVA-Uniform mit der der deutschen Wehrmacht oder die Beziehungen der ehemaligen Wehrmachtsoffiziere zur Staatssicherheit angesprochen. Dem Autor ist eine durch intensives Quellenstudium und anspruchsvolle Darstellung hochinteressante Arbeit gelungen.
André Härtel (ANH)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: André Härtel, Rezension zu: Daniel Niemetz: Das feldgraue Erbe. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26801-das-feldgraue-erbe_31267, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 31267 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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