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/ 22.06.2013
Mirella Cacace

Das Gesundheitssystem der USA. Governance-Strukturen staatlicher und privater Akteure

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010 (Schriften des Zentrums für Sozialpolitik 23); 259 S.; 32,90 €; ISBN 978-3-593-39273-8
Diss. Bremen; Gutachter: H. Rothgang. – In ihrer Analyse des US-amerikanischen Gesundheitssystems widmet sich die Autorin weniger Fragen der Leistungserbringung oder Finanzierung, sondern sie legt ihren Schwerpunkt auf die Regulierung des Gesundheitssystems durch staatliche und private Akteure sowie den Regulierungswandel. Zunächst zeichnet sie die Entwicklungen im Gesundheitssystem seit den 30er-Jahren nach und stellt die traditionelle Rolle privater Akteure heraus. Mit der Einführung der beiden öffentlichen Versicherungsprogramme Medicare (für Menschen ab 65) und Medicaid (für bedürftige Menschen) im Jahr 1965 sei eine „nie zuvor gekannte Präsenz des Staates im Gesundheitssystem“ eingetreten, die zu einer starken staatlich-hierarchischen Regulierung geführt habe. Indem im Laufe der Zeit private Managed-Care-Organisationen die Steuerung dieser Bereiche übernahmen, erfolgte eine Entstaatlichung des Krankenversicherungssystems. Die Autorin kommt zu der überraschenden Feststellung, dass dieser Prozess nicht mit einer Enthierarchisierung einherging: „Vielmehr füllen private Akteure dieses Vakuum zunehmend mit eigenen, hierarchischen und Hierarchie-ähnlichen Formen von Governance.“ (172) Das heutige System zeichne sich durch einen Mix von öffentlichen und privaten Akteuren und einem hybriden Gemisch von Regulierungsstrukturen aus. In einem zweiten Schritt untersucht die Autorin diesen Wandel aus institutionenökonomischer Perspektive und sieht ihre Kernhypothese, dass „Wandel als Reaktion auf die systemimmanenten Defizite des privaten Gesundheitssystems der USA zu verstehen ist“, bestätigt. Demnach haben die wettbewerbliche Grundstruktur und die weitgehende Vertragsfreiheit den privaten Akteuren gerade die Möglichkeit gegeben, anders als auf wettbewerbliche Weise steuernd in das Gesundheitssystem einzugreifen und neue Varianten von Governance-Strukturen entstehen zu lassen. „Die institutionenökonomische Perspektive zeigt“, so das Fazit der Autorin, „dass private Akteure aus Eigeninteresse in der Lage sind, soziale Strukturen herzustellen.“ (227)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.642.263 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Mirella Cacace: Das Gesundheitssystem der USA. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33387-das-gesundheitssystem-der-usa_39944, veröffentlicht am 21.07.2011. Buch-Nr.: 39944 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA