/ 20.06.2013
Eric Frey
Das Hitler-Syndrom. Über den Umgang mit dem Bösen in der Weltpolitik
Frankfurt a. M.: Eichborn 2005; 240 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-8218-5615-7Der Autor – bekannt durch sein Werk „Schwarzbuch USA“ – liefert mit dieser Publikation einen Beitrag zur Diskussion über die Gründe für die transatlantischen Spannungen. In Abgrenzung zu denjenigen, die auf das Machtgefälle als Ursache der Spannungen abheben, findet er die Wurzeln der Probleme in den unterschiedlichen historischen Erfahrungen im „alten“ und „neuen“ Europa. Dort wurde das Trauma der nationalsozialistischen Aggression unterschiedlich verarbeitet: Während vor allem im anglo-amerikanischen Bewusstsein das Appeasement der 30er-Jahre als Ursache für den ungebremsten Aufstieg Hitlers und damit den verheerenden Weltkrieg identifiziert werde, konzentriere sich die Wahrnehmung in Deutschland und Frankreich vor allem auf die Schrecken des Krieges. Diese unterschiedliche Schwerpunktsetzung in der Geschichtsdeutung führe bei den einen zu einer Überschätzung von Gefahren und dem Bestreben, potenzielle Gefahren so schnell wie möglich auszuschalten, bei den anderen im Gegenteil zu einer pazifistischen Grundhaltung und einer Unterschätzung der Gefahr, so der Autor. Beide vereinfachenden Denkschablonen würden der Komplexität der Herausforderungen in der internationalen Politik nicht gerecht. Daher müssten beide Ansichten mit ihren spezifischen Stärken und Schwächen berücksichtigt werden, um eine angemessene Antwort auf Herausforderungen wie den islamistischen Terrorismus, Nordkorea oder den Iran zu finden. Entsprechend endet das Werk mit einem Plädoyer für mehr transatlantisches Verständnis.
Christian Becker (BEC)
Dr. rer. pol.
Rubrizierung: 4.1 | 4.41 | 2.62 | 2.63 | 2.68 | 2.25 | 2.2 | 4.2
Empfohlene Zitierweise: Christian Becker, Rezension zu: Eric Frey: Das Hitler-Syndrom. Frankfurt a. M.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24204-das-hitler-syndrom_27882, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27882
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Dr. rer. pol.
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